von Sanddünen zu Sanddünen

Wir hatten eines unserer Ziele erreicht – die roten Sanddünen bei Merzouga.

Zuvor hatten wir eine 330 km lange Reise durch Hochtäler des Atlasgebirges vor uns. Wir bekamen nicht genug von der schönen Landschaft mit abwechselnden Bergen, Wüsten und Dörfern mit ihren teilweise trockenen Palmenhainen.

So kann aus einer 4.5 h Google Fahrzeit ein intensiver Tag werden, gehörten doch Kauf von Verpflegung, Diesel, Wasser und Pausen dazu.

So reisten wir gut von unseren Lieblingsdüne bei Tifnou (waren auch 2te Nacht ganz alleine) zu den bekannteren Dünen trotz teilweise schwierigen Strassen (von Wasser teilweise unterspült und ihren Baustellen).

Ramadan bis 20. März

Heute war der Beginn des Ramadans, d.h. Essen, Trinken gibt es für die Moslems nur vor/nach Sonnenauf-/untergang.
Ja, den ganzen Tag bei bis 30°C arbeiten und 16.5 h nichts trinken ist schon hart. Speziell seien die ersten drei Tage, bis sie sich angewöhnt haben. Der Guide im Museum hatte trockene Lippen nach den vielen Gruppen und Erklärungen. Bei unserem Mittagessen sassen einige Männer nur am Tisch  mit Handy und plauderten. Es war für uns auch sehr verständlich, dass ein anderer Guide Abends sofort nach der Uhrzeit auch während der Fahrt nach seinen Datteln griff und Wasser trank. Wohl bekomm’s!

Für uns ändert der Ramadan wenig. Nach einer ruhigen Nacht im Sahara-Wüstencamp in ‎⁨M’Hamid El Ghizlane⁩ im riesigen Draatal fuhren wir retour nach Zagoura.

Dabei überquerten wir zwei Gebirgszüge mit riesigen Tälern und machten einen Zwischenstopp in Tamagroute, einer Pilgerstàtte mit grosser Bibliothek. Hier gab es viele  alte Bücher. Auch das Wissen von „unserem“ Avicenna (1’000 A.C.) aus Usbekistan/Iran wurde hier ausgetauscht.

Es folgte ein langer Rundgang durch die Altstadt mit ihren Lehmhäusern in kühlen Untergeschossen, einer Besichtigung der Töpferei.  und ein feines Essen.
Der Ton wird aus 7 m geborgen, 24 h eingeweicht, gestampft, geknetet, geformt, die Gefässe 24 h getrocknet, bemalt und 3 h gebrannt. Dieser Ort ist wegen seiner grünen Manganfarben bekannt.

Viele Dromedare

Wir waren erstaunt, wieviel Dromedar-Herden wir unterwegs sahen, zum Teil einzeln und frei, aber mehrheitlich in bewachten Herden bis zu 100 Stück.
Die grossen Transporte werden heute von Lastwagen übernommen. Die Dromedare werden für Touristen eingesetzt, aber primàr als Fleisch wie Kühe gezüchtet. Nur müssen sie mit sehr trockenen Grasbüscheln auskommen.


Video über Dromedarherde am Morgen in Steinwüste


Video über Dromedarherde in Steinwüste


Video über Dromedarherde in Sandwüste

Dromedare reiten war nicht unbedingt auf unserem Plan, aber ohne Touristen einsam um die 200 m hohe Düne zu reiten wurde für uns zu einem sehr eindrücklichen Erlebnis – so ruhig und friedlich. Es ist viel einfacher als auf einem Pferd. Diese Gelassenheit, schnell findet man Zutrauen zu diesen Tieren, einfach schön.

Dass am nächsten Abend ein Mann nach einem fünftägigen „Kamel“-Trekking bei uns beim letzten Abstieg vom Dromedar verunfallte und einen Oberschenkelhalsbruch erlitt, bestätigt, dass man trotz Vorsicht auch Glück auf seinen Reisen braucht. Gute Besserung!

Abwechslungsreiche Wüsten

Von Icht fuhren wir in den zwei Tagen 300 km westlich Richtung Zagora durch vorwiegend Steinwüsten. Die Strassen waren sehr gut und die Landschaft blieb interessant und abwechslungsreich.

Bei einem Zwischenhalt finden wir ein kleines Hotel unterhalb der Altstadt.

Wir hatten Glück und fanden in der Nähe ein Wüstenhotel. Herrlich, einfach in dieser Weite und Ruhe zu übernachten.

Weiter kamen wir zu verschiedenen Landschaften.

Die grösste Überraschung erlebten wir jedoch an einem noch leicht fliessenden Fluss – Wasser bedeutet hier Leben. Herrlich, auch die Frösche quakten.

Oasen

Assa ist eine Oasenstadt mit 15’000 Einwohnern. Die Altstadt auf dem Hügel mit ihren Lehmhäusern wurde verlassen und unten entstand der neuere Teil gebaut mit Zementziegelsteinen.

Wir parkten und fanden einen Weg durch die Dattelpalmen zum Hügel. Herrlich am Morgen auf einer Entdeckungsreise zu wandern.

Wir rasteten in einem Teehaus-Hotel und kurze Zeit später kamen ein Dutzend „Professoren“, welche hier ihr Klassentreffen abhielten. Solche Begegnungen freuen uns immer.

Weiter führte uns eine lange Strasse durch die Wüste endend bei heftigen Sandsturmböen in einer nächsten Oase – Icht. Hier leben 1’200 Einwohner. Obwohl es seit 3 Jahren nicht mehr geregnet hat, fliesst genügend Wasser vom Atlasgebirge und eine Selbstversorgung mit Gemüse und Früchten ist möglich.

Früher lebten sie der Hitze wegen unterirdisch in Lehmhäusern. So erlebten wir einen „Höhlenrundgang“ durch Zeiten wie vor 500 Jahren.

in die Berge

Über die grosse, lange Autobahn fuhren wir ins Landesinnere nach Tan Tan für Wasser und Diesel und rasch weiter nach Guelmim für Lebensmittel, welches wir bereits kannten. Uns zog es über Land und in die Berge Richtung Assa.

Dank Regen auf den Hügeln wurde es wieder schön grün. Hierher wurden mit grossen Lastwagen Schafe gekarrt, um das „unerwartete“ Gras zu nutzen.

So kamen wir rasch in die Steinwüste und genossen diese Weite und Abwechslung.

Ja und wir schliefen auf der Passhöhe – einfach schön.

Am anderen Morgen durften wir in Ruhe die Weiterfahrt geniessen.

Wolken vom Meer verdunsten in der Wüste
Dromedare unterwegs

So kamen wir rasch hinunter ins Tal nach Assa, einer Oasenstadt.

Dem Atlantik entlang

Uns stellte sich die Frage 7 h Küstenfahrt in den Süden bis Dhakla, dem bekannten Ferienort speziell für Surfer oder …?

der Küste entlang in den Süden bis fast Mauretanien???

Die Wetterprognose war weiterhin bewölkt und so entschieden wir uns dagegen. Alles kann man nie erkunden.

Wir wollten ein kurzes Stück der Küste nach unten, dann umkehren und in den Norden fahren. Der erste Zwischenstop galt einem Schiffswrack und dem Erholungsstrand von Laayoune. Was da alles in den Sand gebaut wird?

Danach folgte der riesige Industriehafen. Hier kommt das 100 km lange Förderband an und deponiert das Phosphat für die Verladung auf die Schiffe weit draussen im Meer. Martin glaubte nicht daran, dass dies funktioniert, doch in der Nähe konnten wir die Förderbänder hören und sehen. Eindrücklich!

und weit hinaus ins Meer zum Verladen

Weiter unten besuchten wir ein fast totes „Fischerdorf“. Dies entspricht keiner unserer Vorstellungen. Nach Statistik gibt es immer viele Bewohner. Für uns wirkt es eher leer und selten sieht man Menschen.

Die Küstenfahrt in den Norden war eher eintönig. Wir fühlten uns nicht so wohl, gab es doch alle 100-500 m (!!!) zwischen Strasse und Meer einen Militärposten. Eine Blechhütte, ein WC, einen Wassertank und evt. mit Hunden die Zeit verbringen? Also irgendwo parken schien nicht erwünscht.

Weiter im Landesinnern sahen wir Sanddünen und Martin konnte es nicht unterlassen, wenigstens eine zu erklimmen.

In Tarfaya einer Hafenstadt konnten wir am Strandparkplatz übernachten und genossen den Rundgang mit dem Museum über die Postfliegerei, wo auch Antoine Saint Exupéry zwei Jahre stationiert war.

Anderntags folgten wir weiter die Küste hinauf und stoppten beim ‎⁨Khenifiss National Park⁩, ⁨Akhfennir⁩, ⁨Laayoune-Boujdour-Sakia Al Hamra⁩, ⁨Marokko⁩. Dies ist eine riesige Meereslagune in einer felsigen Landschaft, ein wichtiger Spot für Camper. Interessant, ruhiges Wasser, etwas grün mit Übergang zur Wüste.

Wir fuhren weiter zum Devil Hole (Naila), wo das Meer den Felsen durchbrochen hatte. Hier hatte es eine riesige Felsenplattform, aber über Nacht parken ist nicht erlaubt.

Somit ging es  weiter an den Tan Tan Plage (El Quatia), wo wir wenigstens eine ruhige Ecke für uns fanden. Schade die Camper konzentrieren sich an wenigen Orten.

In der Westsahara bis Smara

Eine Grenze zur Westsahara erlebten wir nicht. Nach dem Rückzug der Spanier im 1976 besetzte Marokko dieses Gebiet obwohl sich die örtlichen Sahrauris wehrten. Interessant war die Westsahara wegen der langen Küste für Fischfang und dem weltweit grössten Phosphatabbau.
Heute ist es ruhig. Viele Marokkaner wurden rasch  in dieser Wüste angesiedelt und so wuchs z.B. die Wüstenstadt Smara in Kürze auf 57’000 (?) Einwohner, davon ⅓ Militär. Wovon die Leute leben, ist für uns rätselhaft.

Viel zu sehen gab es nicht und trotzdem wollten wir diese Entwicklung erleben. Eine ehemalige Klosterschule mit riesiger Bibliothek wurde bereits von den Franzosen zerstört. Mit etwas Glück konnten wir den Wiederaufbau mit den schwarzen Wüstensteinen besichtigen.

Etwas Ausserhalb besuchten wir ein Museum über Steinreliefzeichnungen und nutzten den schönen Parkplatz für unser Mittagessen. Für uns erstaunlich ist diese Weite in der Wüste und unsere Schwierigkeit, irgendwo zu pausieren. Die Strassen sind erhöht und Rastplätze gibt es nicht. In dieser Weite können wir uns nicht irgendwo „verstecken“ und bei Lokalen wollten wir nicht übernachten.

Somit mussten wir wieder ganz nach Westen an den Atlantik. Zwischendurch begleitete uns ein 100 km langes Förderband, welches das Phosphat über Land in den Hafen von Layounn befördert.

200 km Wüste

Von unserer schönen Oase fuhren wir 130 km bis Tan Tan, tankten Wasser und Diesel und danach ging es 200 km durch eine Stein- und Sandwüste. Die ersten 100 km  mit meist schnurgerader guter Teer-Strasse, praktisch ohne Verkehr.
Während  dieser Zeit kamen uns 20 Fahrzeuge entgegen, zwei überholten wir und ein Fahrzeug überholte uns – fast einsam durch die Wüste!

Nach dieser Zeit kam die erste Tankstelle. Auf einer Seitenstrasse parkten wir und genossen diese Weite und Ruhe während unserer Mittagspause. Schwierig zu beschreiben – bei 21 °C, blauem Himmel und schönem Wind!

Nach einer weiteren Stunde passierten wir zwei grosse Dromedarherden und kamen zu einer ehemaligen Karawanserei. Hier gab es nach dem Duschen ein richtiges Sonntagsessen – vieles ist dank unserem Wohnmobil auch in der Wüste möglich – Mega!!!

Auf zur südlichsten Oase

Die Wetteraussicht meldete wieder heftigen Regen und so wollten wir rasch weiter in den Süden. Das Schöne war – nach sieben trockenen Jahren erstmals wieder viel Regen – und somit war alles wunderbar grün. Auf google Maps war alles braun.

Spontan bei einem Kaffeestop wanderten wir durch ein Dorf. Der nette Herr zeigte uns voller Stolz seine tollen Wecker – wäre günstig zu haben.

Zielort war Guelmin, eine Kleinstadt im Landesinnern. Es hat ausserhalb ein grosses Einkaufshaus und Campings.
Martin wollte jedoch zuerst lieber in der Stadt auf den lokalen Markt, aber wo parken? Glücklich einen Hinterhof gefunden zu haben wanderten wir auf den nahen Frischmarkt (Souk) und stiessen auf einen freundlichen Marokkaner mit etwas Baslerdialekt.
So wurde das Einkaufen viel interessanter und bei Tee erfuhren wir, dass er im Tourismus arbeitet. Rasch wurden wir uns einig, in die nahe Oase Tighmert zu fahren und dort bei Maison Nomaden zu parken.
Wir erlebten zwei herrliche Tage. Es folgten Rundgänge durch die südlichste Oase Marokkos mit 700 Familien und 30 pensionierten Ausländern; ein Museumsbesuch und eine Wanderung an den Rand zu den Hügeln, wo Bananen gezüchtet werden. Wasser wird „einfach“ aus dem Boden gepumpt, solange es hat. Aus dem Garten von Bamal gab es Rettiche und frisch gepresstes Olivenöl. Er stammt aus einer Familie mit zwei Dutzend Kindern. Sein Vater hatte zwei Frauen und wurde 110 Jahre alt!

Am Samstag ist in der Stadt der grosse Souk mit vielen Tieren und riesigem Früchte-/Gemüseangebot. Dieses bunte Leben ist immer spannend.

Schöne Erinnerungen bleiben.