lieber auf’s Land

Wir entschieden uns, die Grossstadt Melbourne zu verlassen und wieder auf’s Land zu fahren.

Unterkünfte, Hotels, Unterhaltungen

Ein kurzer Einkauf mit riesiger Parkinghalle und wir fuhren aus der Stadt nördlich nach Maldon, einer historischen Stadt, welche mit dem Goldrausch 1854 entstand. Heute noch 1’200 zu guten Zeiten bis 30’000 Einwohnern. Dabei hätte es noch sehr viel Gold unten, aber die reichste Person Australiens Frau Rinehard leistet sich den „Goldtresor“ im Berg.

Sommer aussitzen

Wir sind überrascht, nach angenehmen Klima in Tasmanien wird es hier heiss.

Unser Ziel ist es, im März an die Westküste nach Perth zu fahren. Bis Ende Januar sind hier Ferien und daher meiden wir die Küste und fahren durch das Landesinnere den Flüssen nach bis Canberra.
Hier hatte es unüblich viel geregnet, somit ist es recht grün und die Flüsse haben gutes Wasser. Wir haben keine Eile und wollen diese Gegend geniessen. Hier hat es viel Landwirtschaft, besonders Weizenanbau und Schafe für die Merinowolle.

Nach Maldon suchten wir bereits einen schönen Platz, der Abends uns mit einem Regenschauer abkühlte.

In Bendigo setzten wir uns mit der chinesischen Geschichte auseinander. Mit dem Goldrausch sind auch viele Chinesen nach Melbourne und weiter bis hierher gereist. Da es Spannungen mit den Weissen gab, wurden grosse Einreisegebühren im Staat Victoria verlangt. Von da verschifften die Chinesen bis Adelaide (Staat South Australia) und marschierten 500 km zurück ins Golddgräbergebiet. Einfach war das Leben jedoch nie.
1901 wurden die Restriktionen noch grösser und viele Chinesen wanderten wieder aus. Erst nach dem zweiten Weltkrieg gab es wieder eine Öffnung für die Chinesen. Aber auch diese Generationen sind recht erfolgreich. In der Osterzeit pflegen sie auch die Tradition mit dem Drachenumzug.

Dieses Mal übernachteten wir in einem Nationalpark und genossen einen Spaziergang durch den Wald. Wir lernten, dass es hier drei verschiedene Eukalyptusarten gibt. Eine mit ganz dicker schwarzer Rinde, andere eher gelb und rot. Gold hatten wir jedoch nicht gefunden.

In Elmore gibt es immer noch eine Eisenbahn, wenn auch die Wolle und das Getreide mit den vielen Lastwagen transportiert wird. Spannend war die Entwicklung der Landwirtschaft. Ursprünglich wurde der Weizen mit der Sense in kleinen Familienbetrieben geerntet, später dank Maschinen wurden die Betriebe immer grösser.
Die Chance nutzte ein junger Mann – Mc Kay, der Erntemaschinen entwickelte und erst nach einem Konkurs in der Krise richtig durchstarten konnte. Als Start nutzte er die Chance 1’000 Sunshine-Erntemaschinen nach Argentinien zu verkaufen.

Auch mit der Wolle wurden die Leute reich. Tausende von Schafen wurden gehalten.

Echuca hatte ihre Blütezeit dank Verschiffung auf dem Murrayriver, ist heute eher eine Touristenstadt.

Wir übernachteten an schönem Zufluss.

Wechselhaft

Wir besuchten in Echuca am Samstag den Farmersmarkt und das Holden-Museum. Anderntags folgten wir dem Murray River zu einem Stausee.

Echuca wird recht stark von Touristen besucht. Wahrscheinlich ist der Fluss mit den Bootsfahrten der Anziehungspunkt, etwas weniger für uns. Hier ist das Wasser meist erdbraun. Am Campaspe River, einem Zufluss zum grossen Murray River, wurde viel Wasser abgelassen. Nachher sank er rasch um über einen Meter und soll im Sommer normal nur ein Rinnsal sein. Uns gefällt es an so einem natürlichem Fluss mit den vielen Papageien zum Übernachten.

Gaby freute sich auf das Holden Automuseum. Holden wurde von GM übernommen und trotzdem die Fahrzeuge auf Australische Anforderungen angepasst. Damals hatten Gaby und Elisabeth für ihre Reisezeit einen Occasion Holden gekauft und reisten ohne Probleme herum. Welcher es damals war???

Am Samstag war es recht heiss, schwül und auf Sonntag früh wurde starker Regen prognostiziert. Erst bei unserer Abfahrt begann es zu regnen. Spannend, es ist sehr wechselhaft; es kann kurz heftig regnen, danach kommt schon wieder Sonnenschein, aber immer wieder abwechselnd.
Wir hatten Glück, unseren Einkauf und Rundgänge konnten wir ohne Regen durchführen, wenn es auch schnell grosse Pfützen gab. Unsere Campingwiese ist sehr nass.

Auf unserem Spaziergang entdeckten wir, dass neben uns auch am See „wildes Campen“ offiziell erlaubt gewesen wäre. Was alles dazugehört? Im Schlepp ein Boot, ein Auto, Kajak etc.

Wie immer, nach dem Regen scheint die Sonne und anderntags fuhren wir weiter.

Sommerferien???

Ja, hier auf der südlichen Seite der Erdkugel war es Sommer und teilweise recht heiss. Dazu kommt, dass mit der intensiven UV-Strahlung die Hitze sehr intensiv wirkt, es auf der Haut manchmal brennt. Was ist zu tun?

Wir folgten weiter dem Murray River hinauf bis nach Albury, einer schönen Stadt in News South Wales. Südlich des Flusses ist Wodonga im Staat Victoria. Auch wenn die Übergänge heute einfach sind, unterscheiden sich die Staaten und die Militärbasen auf beiden Seiten zeugen von früherer Abgrenzung.

Zuerst genossen wir die Flussseite und staunten über die schönen Bademöglichkeiten. Hier schwimmen???

Weiter ging es in den Botanischen Garten und zum Essen. Einige Staaten nennen es Taverne, hier heisst es Clubhouse. Für uns wäre es eine Spielhölle mit vielen Automaten und sehr ordentlicher Verpflegung.

Dank einem Hinweis genossen wir einige Tage in der Nähe von Albury, an einem schönen Platz am grossen Stausee vom Murray River. Der See war herrlich warm und wir waren oft im Wasser schwimmen und konnten uns so abkühlen.

Wir staunten immer wieder, die Camper sind sehr friedlich, ruhig und geniessen die Natur. Uns gab es die Möglichkeit, einiges aufzuarbeiten und die Zeit zu geniessen: Richtige Sommerferien eben.

Upper Murray River

Wir folgten den Schlangenlinien vom Murray River in die Berge.

Der Stausee und das Schwimmen tat uns sehr gut. Abschied nehmen tut immer weh.

Unter dem Staudamm fuhren wir retour über den Fluss. Eine Schleuse war offen, es hatte also genügend Wasser und weiterer wird Regen prognostiziert.

Bis der Stausee im 1926 gebaut wurde, gab es sehr lange Verhandlungen zu den Wasserrechten zwischen den beiden Staaten. Eine Erhöhung um fast das doppelte Volumen auf das heutige Niveau erfolgte in den 1950-er Jahren.
Die Brücke trennt die Staaten (hellblau – blau). Der weitere Grenzverlauf bildet der Fluss, nördlich News South Wales, südlich Victoria.

Der Stausee reicht weit hinauf und abgestorbene Bäume bestätigen dies. Schön, dass es jetzt viel Wasser hat und sehr grün ist.

Nach Zwischenhalt am Mount Alfred kamen wir zu unserem idealen Campingplatz, klein, fein und direkt am Fluss. Wir konnten soviel und solange uns den Fluss hinunter treiben lassen, wie wir wollten.

Begegnungen???

Die Aussies sind kontaktfreudig und unkompliziert. Manches Mal ergaben sich auch längere, sehr schöne Gespräche.

Am einfachsten in Kontakt zu treten war immer in den Informationszentren, die wir meist besuchen. Hier gab es immer gute Unterlagen und meist gaben die Personen (viele Freiwillige) gerne Auskunft. So wurde der Entscheid für die Weiterreise jeweils unterstützt. Bei Nachhaken berichteten sie auch über ihre Herkunft und ihr Familienleben.

Einfache Kontakte finden wir auch auf Campingplätzen. Wir sind ja mit unserer Schweizernummer ein Sonderfall und daher kamen auch immer wieder Fragen oder sie geben uns gerne Auskünfte. Wir staunen, hier kennen „Alle“ die Schweiz, waren schon einmal dort, haben Bekannte etc.

Bei vielen Gesprächen waren die Gross-/ Eltern oder Sie selber eingereist:

  • wie z.B. ein 83 jähriger Coiffeur aus Griechenland, der seinem Vater hierher folgen musste und immer noch von zu Hause träumt, aber nicht seine Frau.
  • wie eine Tochter eines Farmers, der nach dem grossen Waldbrand im 2009 Wege suchte um das Land wieder fruchtbar zu machen. Aus der Idee mit natürlichem Hühnerkot und 50 Hühnern entstand in kurzer Zeit eine grosse Farm mit heute 15’000 Hühnern. Die Bio-Eier werden jetzt bis nach Sydney verkauft und Vater hat einen grossen Shop in Holbrook errichtet.
  • wie eine 61 jährige Frau aus Kroatien, welche für ihre verstorbene Schwester ihre Bilder für caritative Zwecke verkaufen will. Sie wohnt gleichzeitig im Haus mit der Ausstellung und erzählt, wie nach starkem Regen vor gut einem Jahr der Bach wie ein „Tsunami“ durch ihr Haus fegte und danach Freiwillige beim Aufräumen halfen.
  • wie der 71 jährige ehemalige Lehrer für Aboriginals, Kunst-Maler, Fischer in nationalen Meisterschaften, Bonsaigärtner, Restaurateur von einem 165-jährigen Haus. Teilweise irischen Ursprungs, musste er in der Farm seines Vaters helfen, hatte danach soviel gelernt, ist viel gereist und sprudelt immer noch mit vielen Ideen. Wir konnten ihn zu Hause besuchen.
  • wie der Junge, der in Vaters Stapfen tritt und weiterhin Besen herstellt. Die Chinesen können mit dieser einfach gefertigten Qualität nicht mithalten. Da in diesem Tal keine Hirsen für Besen mehr geerntet werden, muss halt das Material in Kalifornien oder Indien, und gebrauchte Maschinen in Mexiko eingekauft werden.
  • wie die Museumsdame, welche freiwillig 30 km in die die „Stadt“ fährt und damit das Museum offen hält. Seit über 40 Jahre haben sie einen Landwirtschaftsbetrieb mit über 700 Angusrindern. Für den Winter müssen sie heuen und täglich zweimal die Rinder besuchen.
    Zum Glück war der Brand im 2020 auf der andern Seite des Hügels vorbeigefegt. Dem Nachbarn mussten sie helfen, viele Tiere zu töten, eine bleibende traurige Aufgabe. Selber liebt sie die Rinder und die Abgabe in den Schlachthof tut ihr immer noch weh.

Snowy Mountains

Auf fast 1’700 m Höhe besichtigten wir ein Skigebiet. Im diesem Nationalpark genossen wir ein herrliches Thermalbad.

Von Tumut fuhren wir den Snowy Mountain Highway hinauf. Da es stark regnete übernachteten wir bereits am ersten Stausee.

Anderntags war wieder alles schön und so wurde die Bergfahrt zu einem Erlebnis. Rasch kamen wir auf 1’200 m. Hier ändert es rasch, es wird kühler und windiger. Hier brannte viel Wald im 2020 und bereits gibt es grünen Jungwald.

Die Fahrt hinunter ins Tal zu den Yarrangobilly Caves war überraschend lang und nach dem Regen die Naturstrasse auch teilweise ausgewaschen. Aber der Platz am Bach hatte es in sich – herrlich!
Wir wollten weniger die Höhlen besichtigen, sondern lieber den Rundweg zu einem Thermalbad unternehmen. Ein einfaches Bad mit viel 27 °C Wasser, auch wir konnten dies richtig geniessen. Der Aufstieg danach war steil, dafür unser Essen am Bach, ganz für uns, einmalig.

Von den Höhlen bekamen wir auf dem Rundweg auch etwas mit und die gut 20 cm lange Eidechse bleibt auch in bester Erinnerung. Sie blieb ganz ruhig und wir beobachteten uns lange gegenseitig.

Weiter ging es in die Berge. Ein Lastwagen blieb stecken und musste abgeschleppt werden – ein aufwendiges Verfahren mit vielen Personen. Dies störte den Fischer im Hintergrund am Bergsee nicht.

Wir sind immer froh, wenn bei uns alles problemlos verläuft und kletterten zum Selwyn Snow Resort hinauf. Auf 1660 wollte Martin auf dem höchsten Spot übernachten. Ein riesiger Parkplatz, eine grosse Halle für Skiverleih, viele Schneekanonen und wenige kurze Schlepplifte – kein Skiort für uns.

So entschieden wir uns, besser dem starken Wind auszuweichen und etwas hinunter ins Tal zu fahren. An einem Bergsee legal zu übernachten, wo kann man das sonst so einfach? Die Aussies sind immer sehr grosszügig mit Tischen, Feuerstellen und viel Freiraum, dies geniessen wir sehr. Auch wenn wir nicht wie ein Nachbar die Wiese hinunter an den See gefahren sind, uns gefällt es hier – ganz allein mit den Tieren.

Durch Berge ins Tal

Wir fuhren durch die Berge hinunter wieder an den Murray Fluss. Nach dem grossen Brand im 2020 erholte sich die Landschaft langsam.

Wir hatten immer Freude, wenn wir einen schönen Platz fanden. Langsam lernten wir, auf was es zu achten galt. Es waren meist nicht die grossen, bekannten Plätze, sondern viel besser kleine, fast unbekannte. Daher galt es, immer wieder Leute vor Ort zu fragen.

Morgens kamen die Fischer und setzten sich in unserer Nähe an den Bergsee. Wir genossen das schöne Wetter und den friedlichen Morgen.

Eine längere Fahrt durch die Berge stand bevor. Hier wurden viele Staudämme und unterirdische Kraftwerke gebaut. Bei einem Kaffee in Cabramurra hörten wir, wie grosse Investitionen in das dritte Kraftwerk getätigt werden. Im Moment werden schöne Übernachtungsmöglichkeiten für 100 Arbeitende errichtet. Von geplanten 4 könnte es schlussendlich über 15 Mrd. $ (9 Mrd CHF) werden. Dabei werden langeTunnels durch die Berge gebohrt und eine riesige Bohrmaschine wurde wegen Einbruch bereits versenkt.

Es ging hinunter an den Tumut Stausee über den einspurigen Staudamm und wieder steil hinauf – eine herrliche Bergfahrt, lange Zeit ohne jegliche Fahrzeuge.

Der riesige Flächenbrand im 2020 löste bei vielen Australiern einen Schock aus. Hier standen über weite Strecken kahle, verbrannte Eukalyptusbäume. Langsam wuchsen vom Boden her neue Bäume und dank viel Regen wurde es unten grün mit vielen Blumen.
Auch weiteres Wasser wird gestaut und als Reservoir genutzt, da es hier um diese Zeit meist sehr trocken ist.
Im Tal erwartete uns die bekannte Landwirtschaft und am Murrey River wurde es uns bereits „heimelig“.

Es gibt eine schöne Geschichte von Jack Riley. Ein schnelles, schönes Pferd flüchtet in die Berge und wurde von einem Cowboy nach langer Suche wieder gefunden.
Im Museum finden wir eher viele alte Gebäude (Mini-Beatenberg) und Ausstellungen von früher.

Blues Festival in den Bergen

Wir fahren wieder in die Berge und geniessen diese Atmosphäre.

Zuerst fuhren wir den Snowy Mountain Way nach Corryong an den Murray River (rot) und jetzt den Alpine Way (blau) hoch vorerst bis Thredbo Village, einer wichtigen Feriendestination. Von hier fahren viele mit einem Sessellift hoch um nach 7 km Wanderung auf dem höchsten Berg Australiens, auf 2228 m, zu stehen. Der Kosciuszko wurde 1840 erstmals begangen und nach einem polnischen Held benannt, der in der amerikanischen Revolution für Freiheit kämpfte.
Nach den vielen Mountain Bikern, die wir sahen, fahren sie aber lieber mit den Bahnen hoch und dann Down Hill hinunter.

Samstag/ Sonntags war ein Blues Festival angesagt. Die Information im Tal war, wir finden schon einen Parkplatz, es hätte viele – und wir fanden sogar eine ganz ruhige Übernachtung ohne viel Trubel. Zu Fuss wanderten wir in das Bergdorf und genossen diese Atmosphäre mit vielen Standorten und verschiedenen Musikern. Die Aussies trinken gerne, da können wir leider nicht mithalten.

Auf eine Wanderung

Wir fuhren weiter in die Berge und unternahmen eine Wanderung auf gut 2’000 m.

Nach Thredbo Village gings dem Fluss entlang bis hinunter an den Stausee von Jindabyne. Unterwegs besuchten wir ein neues Resort. Von hier fährt im Winter ein Zug – Skitube – durch den Berg ins obere Tal. Auch hier hatten Schweizer Unternehmen bis zum Stadler mitgearbeitet. Wir spazierten zum Fluss und um den See herum, alles schön angelegt mit vielen Ferienhäusern.

Unten in Jindabyne am Stausee war es 30 °C. Somit machten wir schnell mit auffüllen und fuhren wieder in die Höhe in ein freies Camping am Snowy River. Gewisse Bodenwellen machten wir zu Fuss, aber die Aussies kennen mit ihren 4WD nichts.

Anderntags ging es früh auf den Charlotte Pass auf eine 13 km und 5 h Wanderung auf gut 2’000 m. Den wichtigsten Kosciuszko – höchster Berg – überliessen wir den Aussies. Wir wählten einen andern Weg, ohne Sessellift. Zuerst wanderten wir steil 100 m hinunter über drei Flüsse/Bäche, danach wieder steil über 400 m hoch.
Wir staunten über diese Wanderwege. Breit für 4WD-Auto geht es mit maximaler Steigung teilweise mit Betonsteinen belegt hinauf und hinunter. Dafür musste man über die Flüsse über die Steine hüpfen. Brücken gab es nicht.
Fast zuoberst stand auch wirklich ein Toyota Pickup, wobei man bei vielen grossen Buckeln die Spuren vom bösen Aufsetzen sah!!!