Ungewöhnlich warm

Wir verliessen Queenstown und fuhren an zwei Seen vorbei Richtung Westküste.

Am Morgen ist es noch grau, aber auch am Oster-Sonntag kann man einkaufen und danach geht es über einen Pass bis 1’000 m auf eine sonnige Seite. Uns wird erzählt, dass es normal um diese Zeit recht kalt und unfreundlich sein kann.

In Wanaka war am Vortag eine spektakuläre Airshow über dem See. Wir genossen lieber diesen Strand mit herrlichem Blick in die Berge. Das Wasser war echt blau und sehr sauber!

Weiter ging es um den See herum zum Lake Hawea, wo wir uns spontan entschieden zu Übernachten.

Für solchen Orte nehmen wir auch einen kurzen Umweg mit Naturstrasse in Kauf. Martin wollte auch im klaren Wasser schwimmen.

Brücken und Wasserfälle

Wir fuhren über den Haastpass auf die wilde Westseite.

Unsere Fahrt führte an Seen und an Bergen entlang, die wir drei Tage zuvor überflogen. Der Nebel lichtete sich und bot herrliche Ausblicke.

Wild, Schafe und ein Stier grasen friedlich auf gleicher Weide.

Wir fuhren dem Fluss entlang hinauf zum Haastpass auf 540 m. Toll dass die Kanadierinnen dies problemlos auf dem Fahrrad schafften und wohlgemut je zwei Monate in Neuseeland und Japan unterwegs sein wollen.

Dafür wanderten wir fast als Einzige die 150 Höhenmeter zum Lookout hinauf durch einen „Märli“-Regenwald mit sehr viel Moos und Flechten.

Wenn es viel regnet, gibt es auch sehr viele ganz unterschiedliche Bäche, Flüsse, Wasserfälle und entsprechend viele Brücken. Wasserfälle besuchten wir davon drei und wir fuhren wahrscheinlich an diesem Tag über mehr als 50 Brücken, dabei die längste einspurige Brücke Neuseelands mit 750 m.
Die Strasse an der Westseite wurde erst 1965 erstellt und wird hauptsächlich von Touristen mit Mietautos, Anhängern/Booten und Wohnmobilen benutzt.

Wir geniessen diese „World Heritage Route“ am Meer entlang.

Abschluss Westküste

Diese gewundene Strasse an der Westküste ist lang, hügelig und wir fuhren an vielen Seen entlang, durch wilden Regenwald und über unendlich viele Brücken. Die Flüsse fliessen oft durch riesige Deltas zum Meer.

Graswirtschaft gab es auf flachen Ebenen, aber eher mit magerer Ernte und dadurch sind die Höfe eher klein, teilweise auch verfallen. Schon bei der Entdeckung im 18. JH. wurde die Frage gestellt, ob hier jemals Kulturland gewonnen werden kann. Die Suche nach Gold zog Menschen hierher, welche nach dem kurzen Rausch danach Holz schlugen und später Landwirtschaft betrieb.

Diese Gegend unter diesen steilen zerklüfteten Bergen mit ihren Gletschern hat etwas wildes magisches und zieht daher auch viele Touristen an. Die Fox- und Franz Josef Gletscher waren bis 15 km lang und ziehen sich zurück. Wegen Ihrer Steilheit bewegen sie sich viel rascher als normale Gletscher 0.5 bis 4 m pro Tag. (Bilder von Infocenter)

Mit etwas Geduld bei diesem wechselhaften Wetter konnten wir vom Aussichtspunkt einen Blick erhaschen.

Interessant waren immer auch die Geschichte der Menschen, die hier lebten wie Alice May Parkinson, welche 1889 – 1949 teilweise hier lebte. Als junge Frau verliebte sie sich in einen jüngeren Mann, wurde Schwanger und Vorbereitungen zur Hochzeit wurden bereits getroffen. Die Schwiegermutter hatte aber keine Freude und so zog sich der 20 Jährige zurück. Alice war sehr enttäuscht und erschoss ihn. Nach 8 Jahren im Gefängnis kam sie frei, da sich viele für sie einsetzten und Unterschriften sammelten (75’000 in Neuseeland und 100’000 aus England)! Sie heiratete einen andern Mann und hatte 6 Kinder.

Uns zog es immer wieder Richtung Meer.

Und an die vielen Flüsse, Seen mit grünlichem, blauem, auch moorig braunem Wasser..

An die trockenere Ostküste

Im Herbst kann es auf dieser Regenseite rasch ändern und dem Wetterbericht folgend, wechselten wir wieder an die Ostküste.

Bei Greymouth endete unsere Reise an der Westküste. Wir genossen den Abschluss direkt an der wilden Küste.

Abends begann es zu Regnen und Nachts wurde es intensiv mit viel Wind. Wir wurden geschüttelt Ja, auch das gehört dazu. Regen wurde vorausgesagt, aber so intensiv?
Frühmorgens wurde es wieder ruhig, wir standen auf und fuhren los, diesmal über den Lewis Pass wieder zurück an die Ostküste. Es blieb feucht über lange Strecken durch sehr viel Regenwald und trüb bis auf die andere Seite. Mit einem Regenbogen wurden wir in den Herbst begrüsst.

Wir unternahmen einen Abstecher nach Hanmer Springs, bekannt durch sein grosses Thermalbad mit über 20 verschiedenen Pools, das wir zwei Tage genossen.
Eine Wanderung auf den Hausberg mit dem Ausblick gehörte dazu. So unscheinbar wie er aussieht, war er nicht. Es ging im Zickzack durch den Wald hoch und steil im Gebüsch hinunter an einen kleinen See – Herrlich.

Bunnings – Sonntagsvergnügen?

Retour in Christchurch ergänzen wir unseren Bedarf.

Die Fahrt von Hanmer Springs nach Christchurch verlief problemlos. Das Land wird intensiv bewässert, ansonsten ist es gelb. Auch die Traubenernte ist bald abgeschlossen.

Bunnings ist ein riesiger Heimwerkermarkt, den wir auch von Australien kennen. Unter der Woche öffnen sie um 9 Uhr, am Sonntag bereits um 7 Uhr! Also fuhren wir früh hin und wollten drei Sachen kaufen. Zwei uns passende konnten wir in diesem riesigen Gebäude nicht finden.
Für einen einfachen Toilettenpapierhalter benötigten wir über eine Stunde, um uns zu entscheiden. Wir suchten eine bessere Lösung, welche auch für neues breiteres Toilettenpapier funktionierte (warum auf einmal breiter???). Zur Auswahl standen zwei Dutzend verschiedene Produkte. Viele passten auch nicht zu dieser Breite. Da die Türe zur Befestigung dünn ist, entschieden wir uns für ein „deutsches“ Produkt mit Saugnapf, welches man mit einer Saugspritze befestigen kann. Ende gut alles gut? Es hält nicht!
Es geht auch ohne!!!

Auch in den riesigen Einkaufscentern wurden nicht alle Wünsche erfüllt. Ein Rundgang durch Christchurch bei warmen herbstlichen Sonnenschein hat uns danach entschädigt.

Hurra – China Visa!

Über die Rückreise machten wir uns verschiedene Gedanken.

Einige Mitglieder unserer Reisegruppe haben inzwischen ihr Fahrzeug bereits retour nach Deutschland (um Afrika herum) verschifft, andere wollen noch länger Australien, teilweise Neuseeland bereisen.
Unsere ersten Ideen waren nach Neuseeland im Winter (CH-Sommer) zurück an die heisse Westküste in Australien zu verschiffen, diesen Part zu geniessen und danach z.B. via Südafrika durch Afrika bis Marokko zurück zu fahren (orange).
Die aktuellste Idee ist, von Neuseeland nach Asien zu verschiffen (Thailand, Vietnam oder China) und danach via China – Tibet – Kirgisistan etc. nach Hause zu fahren (grün). Die Verschiffung ist offen, was wann wirklich möglich ist.

Idee über die China-Reiseroute

Eine erste Hürde ist geschafft, wir durften heute unser Visa im Chinesischen Konsulat von Christchurch abholen. Dies war auch der Grund, dass wir wieder dorthin fuhren. Vor drei Wochen machten wir einen Anlauf für ein Visa. Von uns wurde das Ausfüllen auf der Webseite verlangt und nach einer Kurzkontrolle würde der Antrag nach Abgabe des Passes geprüft. Ja, bereits beim Ausfüllen der vielen Fragen (Alle Angaben der Eltern, alle Arbeitgeber mit Datum und Adresse, Militärische Funktion etc.) kamen uns Zweifel auf. Eine Reiseroute (?) wurde verlangt, wobei nur schon die Städtenamen sehr unterschiedlich geschrieben werden.
Wir waren überfordert. Also los auf das Konsulat mit Bitte, um Unterstützung. Dies wurde zu einem wunderbaren Erlebnis. Auch für die Angestellten wurde es schwierig, alle Fragen in unserem nicht gewöhnlichen Falle zu beantworten. Schlussendlich waren mehrere Personen involviert, aber bei grossem Einsatz/ Eifer und grosser Herzlichkeit schafften wir es gemeinsam.

Auch heute wurden wir speziell empfangen und konnten ohne zu warten unsern Pass mit Visa entgegen nehmen.

Anderntags bei unserem Zwischenhalt in Amberley finden wir eine Tafel über einen Neuseeländer, der eine Freundschaft zwischen China und Neuseeland aufbaute – Rewi Alley, der 60 Jahre in China lebte.

Weiter nach Kaikoura

Nach dem China-Visa fuhren wir weiter der Küste hinauf nach Kaikoura.

In Amberley – einer ländlichen Kleinstadt, welche Reisenden seit langem als Zwischenhalt dient (Strasse, Eisenbahn) besichtigten wir Tafeln über deren Geschichte. Wie schnell der Reichtum kam – und ging, wie einfache und reiche Leute lebten, etc.
Einer besass bis 90’000 Schafe und sie konnten bis 10’000 pro Tag scheren.
Eine komplette Windmühle wurde mit 2 Schiffen von England bis Christchurch geschifft und mit 40 Pferden in 5 ½ Wochen hierher gezogen.

Dank Bewässerung gab es Weinanbau mit vielen Weingütern. So ein schönes Wetter, wir setzten uns in einen Garten und genossen feines Essen.

Wir fuhren weiter übers Land, über Hügel und später der Küste entlang. Wie rasch sich Temperaturen änderten, fast neblig an der Küste. Der Zwischenstopp an der Küste mit den vielen Seebären war eine herrliche Überraschung (siehe Video https://meeting-you.ch/neuseelaendische-seebaeren-video/).

Am South Bay wären wir gerne geblieben. Ein nettes Ehepaar empfahl uns jedoch den „schöneren“ Campingplatz auf der anderen Seite des Hügels – auch gut.

Verschiffung in Picton

Über die Zwischenstation Blenheim fuhren wir nach Picton, um retour auf die Nordinsel zu verschiffen.

Wir folgten der langen Küste nach, später über Land; wobei die Lastwagen und Fahrzeuge auf teilweise engen Strassen sehr rasch unterwegs waren. Wir liessen sie lieber vorbei und genossen die schöne Szenen.

Für die nächsten Tage wurde schlechtes Wetter angesagt. So besuchten wir in Picton nur das Museum mit dem einzigen noch erhaltenen Schiff, welches Immigranten hierher brachte. Wir buchten um und konnten so einen Tag früher (vor dem Sturm) verschiffen.

Dieses Schiff wurde aus dem damaligen Wissen in 10 Monaten in Kalkutta, Indien 1853 mit Teakholz gebaut, in London verkauft und erlebte über 130 Jahre verschiedene Phasen, auch den Import von Immigranten – in 100 Tage von England nach Neuseeland). Zuletzt im Hafen als Kohlebunker genutzt, überlebte es die Verschrottung und wurde später im Hafen verschoben, restauriert und ist heute „Museum“. Dank äusseren Kupferplatten war es recht resistent gegen Würmer und Insekten.

Wo Edwin Fox überall hin fuhr (18-19. JH)

Unsere Reise war weniger spektakulär, wir fuhren mit Schafen und Kühen in 3.5 h zur anderen Insel – zum Glück in ruhiger Fahrt.