„Wer Glück hat, stirbt in Varanasi“

Andreas Babst, Varanasi (Text), Rebecca Conway (Bilder)

NZZ vom 10. Dez. 2022

Nirgendwo ist Indien verwirrender, chaotischer, scheinbar indischer als in Varanasi. Dabei folgt alles einer genauen Ordnung. Der Tag, das Leben, der Tod.

Varanasi gehört den Toten genauso wie den Lebenden, aber Ersteren etwas mehr. Der Tod ist hier nicht verbrämt und versteckt: Sterbende, Trauernde und Sünder aus ganz Indien pilgern in die Stadt im Norden des Landes. Es ist, als wäre Varanasi ob all der Besucher einfach geplatzt. Und überallhin spritzte das Menschsein, der Tod und das Glück, die Not und der Witz.

Wahrscheinlich ist Indien nirgendwo verwirrender, stossender, chaotischer als in Varanasi. Wahrscheinlich ist Indien nirgendwo indischer.

Kashi, Stadt des Lichts, so hiess Varanasi früher, und die Altstadt heisst noch immer so. Diese Stadt ist so alt wie die Geschichten, die sie erlebt hat, und diese Geschichten erzählen von nicht weniger als der Erschaffung der Welt. Im Hinduismus ist Kashi die heiligste Stadt, hier endet alles. Hindus glauben, wer in Varanasi sterbe, auf den warte die Erlösung. Auf alle anderen wartet die Wiedergeburt: Jeder Mensch hat Tausende Leben gelebt, Tausende Zyklen als Tier erlebt, um überhaupt als Mensch geboren zu werden. Die guten Taten des Lebens werden im nächsten belohnt, so der Glaube. Nach jedem Leben kommt ein nächstes. Ausser man stirbt in Kashi.

Indien und Varanasi sind nur scheinbar chaotisch. Man muss sich etwas Zeit nehmen, um die Ordnung zu erkennen. Die fein ziselierten Hierarchien, die Regeln über Leben und Tod, die beidem etwas den Schrecken rauben. Die Tricksereien, die das Schicksal nicht weniger unausweichlich, aber immerhin erträglich machen.

Will man die Ordnung erkennen, achtet man am besten auf die kleinen Dinge. Die jeden Tag wiederkehrenden.

5 Uhr 30: Beten

Die grüne Holztür trennt die Lebenden von den Sterbenden. Vor der Holztür liegt der Gebetsraum, dahinter wohnen die Gäste. Seit über siebzig Jahren kommen Menschen in dieses Haus, die glauben, das Ende sei nah. Das Mukti Bhawan ist eine Art Hospiz am Rande der Altstadt Kashi, die Regeln sind einfach: 15 Tage haben die Gäste Zeit, um zu sterben. Verlängerungen sind nur in Ausnahmefällen möglich. Alleine kommen darf niemand, die Familie muss sich um die Pflege kümmern.

Einer der Priester der Mukti Bhawan beim Morgengebet.

Im Gebetsraum steht Ganges-Wasser in Karaffen.

Der Aufenthalt kostet 25 Rappen pro Tag, damit wird der Strom bezahlt. Die Regel verhindert, dass die Familien in den Zimmern Strom verschwenden, zum Beispiel mitgebrachte Heizkörper einstecken. Die Gäste seien auf ihrer letzten Reise, sie brauchten keine Heizung mehr, sagt Kalikant Dubey, 38. Er ist einer von vier Priestern im Mukti Bhawan.

Jeden Morgen um halb sechs schlägt Dubey die Trommel zur Arthi, zum Gebet. Er und seine Kollegen singen eine Stunde lang. Danach waschen und polieren sie alle Heiligenfiguren, Opferschälchen und Gabenplatten mit heiligem Wasser des Ganges. Später pflücken sie Jasmin- und Hibiskusblüten im Garten, diese werden dann als Opfergaben gebraucht. Zum Frühstück trinken die Priester Tee.

Dubey ist ein zurückhaltender Mann, fast geräuschlos schreitet er an diesem Morgen über den kalten Betonboden. Aber wenn er singt, klingt es laut und kehlig. Dubey arbeitet seit 23 Jahren im Hospiz, zwischendurch versuchte er sich ein paar Jahre als Bauer, Priester ist er seit zehn Jahren. Priester wird, wer die Rituale und Schriften kennt, Dubey hat sie von seinem Vater gelernt. Die richtigen Stellen in den heiligen Büchern, um den Sterbenden vorzulesen. Die Gebete, um sie zu trösten. Dubey schreibt alle Namen der Sterbenden in ein Gästebuch. Er zählte bisher 1500 Tote.

Dubey erinnert sich nicht an alle, aber an die besonderen Geschichten: An den Lehrer, der eine halbe Stunde nach Ankunft im Hospiz starb. An den Dorfältesten, der unbedingt noch einmal eine Mango kosten wollte. An den Mann, der beim Morgengebet plötzlich durch die grüne Holztür schritt und erklärte, er sei wieder gesund.

Der Priester Kalikant Dubey pflückt jeden Tag Blüten für die Rituale.

Was lernt man über den Tod, wenn man ständig von ihm umgeben ist? «Im Winter, wenn es kalt ist, sterben die Leute eher», sagt Dubey. Und übers Leben? «Je mehr du im Leben lügst, desto früher wirst du sterben», sagt Dubey. Er meint die grossen Lügen, «jene, die jemanden verletzen. Wenn der Geschäftsmann eine Uhr verkaufen will, muss er etwas übertreiben.» Die kleinen Schummeleien im Alltag sind erlaubt, weil es ohne sie halt nicht geht.

Wer in Kashi stirbt, findet Moksha, die Erlösung. Das heisst, der Kreislauf des Lebens ist vorbei. Wiedergeburt heisst auch: Die guten Taten des Lebens werden im nächsten belohnt, man wird in eine höhere Kaste geboren zum Beispiel. Oder am besten: Man wird in Kashi geboren. Dann befindet man sich sozusagen in der letzten Runde.

Einer der Priester im Hospiz sagt: «Es ist ein Glück, wenn du in Kashi stirbst.» Moksha heisst, Teil von Gott zu werden. Der Mensch ist eine kleine Flamme und kehrt zurück ins Feuer.

Dubey muss an diesem Morgen nach dem Tee los. Ein Freund ist gestorben. Er schwingt sich auf sein Motorrad, sein Gewand flattert im Wind.

6 Uhr 30: Trauern

Die Rasierklinge raspelt über Hanumat Pathaks Kopfhaut. Pathak, 60 Jahre alt, trauert. Er lässt sich an den Ghats den Kopf scheren. Ghats, so heissen die unzähligen steinernen Treppen und Plattformen, die von der Altstadt hinunter an den Ganges führen. Morgens drängen die Pilger durch die Gassen Kashis, alle drücken und hupen in Richtung Ganges. Tausende Sandalen klackern über die abgewetzten Pflastersteine. Eine Hektik erfasst die Altstadt Varanasis, noch bevor sie richtig aufgewacht ist.

Pathak ist umgeben von seinem Bruder, seiner Frau, seinem Sohn, seiner Schwiegertochter. In einem Tontopf liegt die Asche seiner Mutter. 95 Jahre alt war Gulabi Pathak, als sie starb, ihr Name ist mit schwarzem Filzstift auf den Papiersack geschrieben, in dem ihr Sohn den Aschetopf zum Ganges gebracht hat. «Sie war so eine glückliche Person. Dieses Glück, das wird uns fehlen», sagt er.

Seine Familie und er leben in Mumbai, Pathak arbeitet als Rikschafahrer. Die Familie ist zwei Tage mit dem Zug angereist, die Asche im Gepäck. Sie sind gerade angekommen und haben ihre riesigen Koffer die Treppen zum Ganges hinuntergewuchtet. Der Fluss, so der Mythos, war einst Teil der Milchstrasse, bis er vom Himmel fiel, ein Bad im Ganges befreit von allen Sünden.

Pathak sitzt bei einem Priester auf einem Holzbett. Er knetet einen Teigball aus Wasser und Gerste, eine Opfergabe für seine Mutter. Kurz nach dem Tod wandert die Seele, und wird sie nicht von den Verwandten gefüttert, kann sie sich nicht auf die Reise machen. Pathak wird den Teigball später zusammen mit der Asche im Ganges versenken. Der Priester spricht ein Gebet. Man kann die Priester für Rituale buchen, sie sitzen auf ihren Holzpodesten am Wasser. Meistens wollen sie am Ende mehr Geld als abgemacht. Pathak soll 60 Franken bezahlen, «sonst kannst du gleich gehen», sagt der Priester. Am Ende bezahlt er 25.

Morgens füllt sich Kashi mit Pilgern, alle drängen zum Ganges.
Man muss sich etwas Zeit nehmen, um die Ordnung und die Rituale in Varanasi zu erkennen.

Die Rituale am Ganges unterscheiden sich. Je nachdem, aus welcher Region Indiens die Menschen angereist sind und aus welcher Kaste sie stammen. Es gibt Inder, die schwören, man müsse den Kopf zehnmal untertauchen beim Bad im Ganges. Manche sagen, ein paar Spritzer des Wassers würden schon von Sünden befreien. Andere tauchen ihren Kopf hundertmal.

Es war der Wunsch von Pathaks Mutter, dass ihre Asche im Ganges verteilt wird. Nicht jeder kann in Kashi sterben, und vielleicht findet sie nun trotzdem Erlösung. «Ich spüre Zufriedenheit und Trost», sagt Pathak, als die Asche im Fluss ist und er sich wieder ankleidet. Männer steigen meist mit Unterhosen in den Ganges, die Frauen tragen ihren Sari. Kashi ist laut der Hindu-Mythologie der Ort, an dem sich die Unterwelt, unsere Erde und der Himmel treffen. Kashi ist nicht von dieser Welt. Seine Gassen riechen nach Urin, frisch gerösteten Zwiebeln und kaltem Rauch.

Pathak treibt seine Familie zur Eile an. Der Zug fährt, sie müssen weiter ins Dorf, aus dem sie ursprünglich herkommen. In den nächsten zwei Wochen werden sie dort beten, weitere Gaben opfern, Festessen veranstalten. Pathak schätzt, dass ihn der Tod seiner Mutter etwa 1500 Franken kosten wird. Viele Inder verschulden sich, wenn ein naher Verwandter stirbt.

Bruder, Frau, Sohn, Schwiegertochter und Pathak wuchten die Koffer die Treppenstufen hinauf. Das alles hat knapp eine halbe Stunde gedauert.

7 Uhr 45: Leben

Die Ghats, die Treppen und Plattformen am Wasser, erstrecken sich über die ganze Länge Kashis, als würde sich die Altstadt zum Wasser neigen. Es gibt über achtzig Ghats, und jeder hat einen eigenen Namen, seine eigenen Geschichten und Figuren.

Am Munshi Ghat hockt eine Gruppe Einheimischer. Seit fünfzig Jahren träfen sie sich jeden Morgen hier, um zu baden, sagt Om Prakash Kakkar, 65 Jahre alt. Um die Hüfte haben sie sich Lendenschürze geknüpft, die kaum etwas verdecken. Man ist versucht, sich diese Gruppe von schnauzbärtigen Männern als dürre Teenager vorzustellen, als noch Flaum ihre Oberlippen zierte und bevor ihre Bäuche rund und schwer wurden. Einen von ihnen nennen sie den Schatzmeister. Der bringt jeden Morgen Süssigkeiten und das Pan, die mit Kautabak gefüllten Betelnussblätter.

Jeden Tag werden alle Opferschalen in der Mukti Bhawan mit Ganges-Wasser aus grossen Karaffen gewaschen.
Om Prakash Kakkar (Vierter von rechts), gehört zu einer Gruppe Einheimischer, die sich seit 50 Jahren an den Ghats trifft.

Aus jedem der Teenager ist etwas geworden in den vergangenen fünfzig Jahren. Kakkar hat eine Imbissbude, er verkauft südindische Spezialitäten. Sein Freund hat einen Laden für Saris. Um 9 Uhr öffnen sie, bis dahin baden und sitzen sie. Kakkar sagt, was auch immer man Schlechtes getan habe, am Ganges werde es einem vergeben.

«Es ist ein grosses Glück, hier geboren zu sein», sagt Kakkar.

«Du bist gar nicht hier geboren, du bist ein Flüchtling», ruft einer seiner Kollegen.

Und Kakkar erzählt eine phantastische Geschichte: Sein Vater sei ein Heiliger gewesen, nicht einer dieser falschen Heiligen, die an den Ghats mit den Touristen für Fotos posierten und um ein paar Rupien bettelten. Ein richtiger Sadhu, ein Hindu-Heiliger. Ein Muslim habe ihn einst mit einem Schwert angegriffen. Der Vater habe den Angreifer mit einem Zauber entwaffnet und mit dem eigenen Schwert zweigeteilt. Er sei dann mit der Familie nach Varanasi geflüchtet.

Kakkar sagt, früher habe man in Varanasi seinen Laden geschlossen, wenn man 500 Rupien verdient habe, und den Rest des Tages verkifft. «Aber heute arbeiten alle den ganzen Tag», sagt er. Wer in Kashi lebt, der lebt sein letztes Leben vor der Erlösung. Es gibt keine Wiedergeburt mehr. Also glauben die alteingesessenen Einwohner Varanasis, diese letzte Runde sollte man geniessen – mehr plaudern und Süssigkeiten verspeisen, weniger arbeiten.

Einer der Männer macht Liegestützen. Er sei früher Bodybuilder gewesen, sagen die anderen. Es gibt in Kashi die grossen Rituale, jene für das eigene Seelenheil oder das der Toten. Aber beständiger sind die kleineren, alltäglicheren Rituale. Der Verkehrspolizist, der vor der Arbeit ein Gläschen voll Ganges-Wasser trinkt, um gesund zu bleiben. Die Buben, die am Abend am Fluss ihre Drachen steigen lassen. Die Frauen, die ihre gewaschenen Leintücher zum Trocknen auf den tausend Jahre alten Pflastersteinen ausbreiten.

Die Menschen hier seien Sturköpfe, sagt Kakkar. Alles wiederholt sich in Kashi, jeden Tag und scheinbar für immer.

14 Uhr: Sterben

Durgawati Devi, 66, scheint bereit zu sein zu sterben. Ihre langen, grauen Haare sind gekämmt. Ihr Fuss ragt unter der Decke hervor. Die Zehennägel sind kirschrot lackiert, an einer der Zehen steckt ein Silberring. Sie kann nicht mehr sprechen, sie kann nicht mehr aufstehen. Devi liegt auf einer Holzpritsche im Hospiz Mukti Bhawan am Rande der Altstadt Varanasis. Eine Glühbirne beleuchtet die getünchten Wände. Sie liegt im Zimmer rechts neben der grünen Holztür, welche die Lebenden von den Sterbenden trennt.

Durgawati Devi scheint bereit zu sein zu sterben.
Heruntergefallene Jasminblüten im Garten der Mukti Bhawan.

«Sie könnte jeden Moment sterben. Das Boot hat schon abgelegt, es ist mitten im Fluss, jetzt muss es nur noch am anderen Ufer ankommen», sagt Badrinarayan Gupta, 70 Jahre alt. Er ist Devis Ehemann. Das Alter hat ihm ein paar Zähne und einen Teil seines Gehörs geraubt. Er teilt noch immer ein Bett mit seiner kranken Frau, er wäscht sie, und wenn er über Devi spricht, dann mit einer Selbstverständlichkeit, als sei sie einfach immer da gewesen. Fünfzig Jahre sind sie verheiratet.

War es eine gute Ehe? «Die Ehe war ordentlich. Schwierigkeiten treffen jeden im Leben», sagt Gupta.

Badrinarayan Gupta begleitet seine Frau bis zum Tod.

Die Ärzte hätten gesagt, seiner Frau blieben nur noch ein paar Tage. Sie ist schon seit Monaten krank, leidet am Alter, an Diabetes, Bluthochdruck und Lähmungen. Devi wollte in Kashi sterben. Die Familie stammt aus einem Dorf zwei Stunden vom Hospiz entfernt. Gupta betreibt dort zwei Läden, Devi war Hausfrau. Ein anderer Verkäufer auf dem Markt erzählte Gupta vom Hospiz. Also haben sie Devi vor ein paar Tagen ins Auto getragen. Sie haben Töpfe, Öl, Decken und Süssigkeiten gepackt. Ihre Tochter kocht für die Mutter im Hospiz. Sie hat ihr eine Pflanze neben den Kopf gestellt: heiliges Basilikum. Devis Neffe flösst ihr aus einem Stahlbecher Wasser ein. Devi kann sich nur noch mit Zeichen verständigen.

War es ein gutes Leben? «Ihr Leben war voller Hingabe, Religion, Freunde. Sie hat gefastet. Sie hatte ein gutes Leben», sagt Gupta.

Gupta und Devi haben das Land gesehen, sie sind mit dem Zug und dem Bus zu den wichtigen Tempeln Indiens gepilgert. Über Devis Kopf hängt ein Bild des Gottes Shiva. Kashi ist seine Stadt. Devi kann das Bild im Liegen betrachten. Wer in Kashi stirbt, dem flüstert Shiva kurz vor dem Tod ein letztes Mantra, eine letzte Weisheit ins Ohr. Niemand weiss, wie sie lautet. Durch das Hospiz klingen Gebetsgesänge: Früher hatten die Priester Zwei-Stunden-Gesangsschichten, heute hat das Mukti Bhawan eine Stereoanlage.

Was sind die schönsten Erinnerungen an Devi? «Am glücklichsten waren wir, wenn die ganze Familie zusammenkam. Und ihr süsser Reispudding, der Kheer. Sie hat ihn mit trockenen Früchten und Nüssen gemacht», sagt Gupta.

Gupta wird bald das Leben eines Witwers leben. Er werde viel beten und weiter die Zeitung lesen. «Wenn du nicht an Gott glaubst, wie soll sich die Welt dann bewegen?»

Wenn seine Frau stirbt, wird er den Körper mit heiligem Wasser waschen. Er wird ihn mit geklärter Butter segnen und ihn in ein weisses Tuch hüllen, den Kafan, das letzte Kleid. Er wird ihren toten Körper aufbahren und mit Blumen und farbigen Tüchern dekorieren. Die Familie wird die Bahre schultern und durch die engen Gassen zu den Ghats hinuntertragen. Manchmal spielt eine Kapelle, weil der Tod in Kashi nicht nur ein Trauer-, sondern auch ein Feiertag ist. Unten am Fluss wird Devi verbrannt. Den silbernen Zehenring wird sie mit ins Feuer nehmen.

Wenige Tage später wird es so weit sein.

16 Uhr: Überleben

Nakul ist Shiva. Er ist eines der Kinder, die sich als Gott verkleiden und unten an den Ghats für Fotos mit Touristen und Pilgern posieren. Kashi ist Shivas Stadt. Der Gott mit dem Dreizack, Erschaffer und Zerstörer des Universums. Als Shiva heiratete, suchte er den schönsten Ort der Welt, um sich mit seiner Frau niederzulassen. Also zogen sie nach Kashi

Nakul Kumar wird zu Shiva, sein Vater schminkt ihn mit einem Zündholz.
Die Schausteller suchen sich für die Verwandlung eine ruhige Ecke in der Altstadt.

«Soll ich dir sagen, was ich am meisten mag hier? Ich mag den Ganges. Wenn ich sehe, wie er fliesst. Wenn ich darin bade», sagt Nakul Kumar. Sein Vater wurde kürzlich wütend, weil er alleine badete, Nakul kann nicht schwimmen. Nakul sagt, er sei 13 Jahre alt, aber er sieht jünger aus, und wahrscheinlich hilft das bei der Arbeit genauso wie sein breites Lachen. Für jedes Foto als Shiva verlangt er von den Touristen und Pilgern ein paar Rupien.

Am Nachmittag verwandelt sich Nakul in den blauen Shiva, sein Vater malt Gesicht und Körper mit blauer Farbe an, mit dem Stiel eines Zündholzes schminkt er Nakul die farbigen Details ins Gesicht. Sie haben sich einen ruhigen Platz ausgesucht, sie sitzen in einem verfallenden Fensterbogen, vielleicht war es einst ein Palast, heute ist es ein Fenster ohne Haus. Affen turnen über ihnen. Unter ihnen fliesst der Ganges an den Ghats vorbei. Man muss gewitzt sein und hart, um dort unten zu überleben. Nakul ist beides. Kurz vor dem Schminken, in der Gasse, hat Nakul ein anderes Kind geohrfeigt. Es hatte sich auch als Shiva verkleidet. Zu viele Shivas machen das Geschäft kaputt.

Vater und Sohn sind Schausteller, seit Jahren reisen sie dorthin, wo sie am meisten Pilger erwarten. Je nach Ort, je nach Tempel, verwandelt sich Nakul in einen anderen Gott, er war auch schon Krishna. Nakul verdient so etwa 20 Franken am Tag – das ist ziemlich viel Geld. Eine Hilfsorganisation wollte ihn einst in die Schule schicken. Er rannte nach einem Tag weg.

Nakul schaut sich das Resultat der Verwandlung im Taschenspiegel an. «Shiva sitzt da oben und schaut auf die Erde hinunter. Er passt auf uns auf und raucht Marihuana», sagt er.

Nach vielen Jahren in Kashi verliess Shiva die Stadt, er wollte sie den Menschen übergeben, so erzählt es der Mythos. Aber Shiva vermisste Kashi im Exil. Er ersann eine List, um den Menschenkönig zu entthronen. Shiva schickte seine Götter, sie sollten den König zum Sündigen verführen. Einer nach dem anderen scheiterte. Aber sie kehrten nicht zu Shiva zurück, sie blieben in Kashi, der schönsten Stadt der Welt. Erst Shivas engster Vertrauter verführte den Menschenkönig, Shiva kehrte zurück, Sonne und Mond bewachten die Türen seiner Kutsche. Die Götter haben Kashi seither nicht mehr verlassen. In Kashi zu leben, heisst, unter ihnen zu leben.

Nakul mag seine Arbeit nicht besonders, aber sie brauchen das Geld. Sein Vater arbeitet nicht, und Nakul hat vier ältere Schwestern. Für alle habe er eine Mitgift bezahlen müssen, sagt der Vater, deshalb schicke er Nakul an die Ghats. Er habe viele Freunde dort unten, sagt Nakul. Die Lebensretter, die aufpassten, dass niemand im Ganges ertrinke. Die Fährmänner, die Pilger und Touristen von einem Ghat zum anderen brächten. Unzählige Familien überleben dank den Rupien, die sich an den Ghats verdienen lassen.

Am Abend kommen die Besucher, um den Ganges im Abendlicht zu bestaunen. Nakul verschwindet in der Menge. Irgendwann scheint er im Gedränge wieder aufzutauchen. Aber es ist ein anderer Shiva.

16 Uhr 45: Brennen

Um einen Menschen zu verbrennen, braucht es ungefähr 200 Kilogramm Holz. Im Scheiterhaufen sollten die dicksten Scheite unten liegen: fünf von ihnen parallel auf dem Boden. Darauf der tote Körper. Links und rechts davon ein dickes Holz, diesmal parallel zum Leichnam. Dann wird über der Leiche eine Art Flachdach aus Holz gebaut, damit der Mensch gleichmässig verbrennt.

Es gibt in der Altstadt Varanasis zwei Ghats, an denen Leichen kremiert werden. Eines davon ist das Manikarnika Ghat, das brennende Ghat. Hierhin tragen die Familien die Leichen, hier brennen auf dem schwarz gewordenen Boden die offenen Scheiterhaufen. Nur Männer sind erlaubt. Sie waschen die Leichen im Ganges und warten mit ihrem Toten, bis ein Scheiterhaufen frei ist. Strassenhunde suchen in der Asche nach Knochen.

Am Manikarnika Ghat werden die Toten verbrannt, es heisst auch: das brennende Ghat.
200 Kilogramm Holz braucht es, um einen Menschen zu verbrennen: ein Holzverkäufer am Manikarnika Ghat.

Der älteste Sohn zündet den Leichnam beim Kopf an. Falls die Person noch lebte, würde sie die Hitze spüren und sich bemerkbar machen. Als Zunder dient Sägemehl. Während des Verbrennens muss der Schädel des Toten mit einem Stab gebrochen werden, er könnte in der Hitze sonst explodieren. Zweieinhalb Stunden dauert es, bis ein Körper verbrannt ist.

Sagar Chaudhary, 21, ist ein Dom, also einer der Männer, der die Leichen verbrennt. Seit Generationen kümmert sich seine Familie um die Toten an den Ghats. Es ist eine Aufgabe, vergeben vom Schicksal, man kann ihr nicht entfliehen. Shiva soll die Doms einst verflucht haben, weil einer von ihnen versucht hatte, den Ohrring seiner Frau zu stehlen. Seither müssen sie die Feuer hüten. Im indischen Kastensystem, einer fein ziselierten Hierarchie, gehören die Doms zu den Dalits, der untersten Stufe. Und innerhalb der Dalit-Hierarchie stehen sie ebenfalls ganz weit unten. «Niemand möchte diese Arbeit machen. Aber jemand muss sie machen», sagt Chaudhary.

Sagar Chaudhary wäre lieber kein Dom geworden, nun verbrennt er trotzdem Tote.

Etwa fünfzig Männer arbeiten am Manikarnika Ghat. Jeder verbrennt zwei bis vier Körper pro Tag. Chaudhary sagt, er habe die Schule beendet. Er würde gerne etwas anderes tun, «um herauszustechen in meiner Gemeinschaft». Dann geht er zurück zu seinem Scheiterhaufen.

Chaudhary nennt seine Arbeit «auspicious», verheissungsvoll, das sei das Gute daran. Es ist eines dieser Wörter, das einem in Varanasi immer wieder begegnet. Es gibt verheissungsvolle Tage, verheissungsvolle Arbeiten, verheissungsvolle Zahlen. Es klingt immer so, als warte das Glück noch. Als müsse man die richtigen Dinge zur richtigen Zeit tun, damit es einen findet. Und es einem dann all die Dinge bringt, die einem das Leben bisher verwehrt hat.

Die Trauerfamilie löscht den Scheiterhaufen mit Wasser vom Ganges. Dann verteilen sie die Asche im Fluss. Gleich daneben stehen junge Männer mit grossen Schalen. Sie schürfen nach Schmuck und Goldzähnen der Toten.

In Varanasi geht die Sonne früh unter. Dann wird die Altstadt fast still. Die Feuer brennen noch. Hindus glauben, jeder Mensch könne in Kashi wieder geboren werden.

Ein Mann badet im Ganges, das Wasser soll von allen Sünden befreien.

Ein Mann badet im Ganges, das Wasser soll von allen Sünden befreien.

Bevor der Ganges vom Himmel fiel, soll er Teil der Milchstrasse gewesen sein. Er glitzert noch immer.

700 km westwärts nach Kolkata

Eine lange Etappe stand vor uns, für welche wir zwei Tage planten, um gleichzeitig mit der Gruppe in Kolkata anzukommen. Der Start war bei miserabler Luft – wie zu Hause bei viel Nebel.

Den richtigen Weg zu finden ist das Eine. Die Frage ist meist, wo gibt es bessere Strassen und weniger Verkehr. Wir wollten nicht durch Varanasi (Verkehr) fahren und so eine Brücke weiter unten über den Ganges nutzen. Unterwegs verwirrte uns Google und schlug einen um 1 h schnelleren Weg ein. Dumm für uns, die Qualität der schmalen, schlechten Strassen kann sehr ermüdend sein. Unser Ziel schafften wir bei 42 km/h Durchschnitt über 315 km nicht, fanden aber rechtzeitig einen vernünftigen Hotelplatz.

Anderntags fuhren wir früh los. Die Strassen wurden etwas besser. Neben Landwirtschaft gab es neu viel Industrie. Vor allem Schwarzkohle wird abgebaut.

Kolkata ist ein 15 -30 Mio. Stadt. Wir wollten da kein Einkaufscenter anfahren. So wollten wir vorher in Burdwan Einkaufen gehen. Aber es wurde zu einem kurzen Stopp am Strassenrand für Früchteeinkauf. So überfüllt und lebhaft!!!
Nebenbei kommt ein Demonstations-Umzug von Frauen vorbei.

Die Umfahrung Kolkata funktionierte gut und die Fahrt führte praktisch an einem Einkaufscenter vorbei. Wir finden es, aber wo parken? Ja, wir sind schon bald Inder, direkt an der „Hauptstrasse“ einfach abstellen. Niemand störte sich daran. Das Umfahren von Hindernissen gehört zum Alltag. So können wir vernünftig Essen und alles Einkaufen, was wir benötigen.
Die Schlussetappe wurde dann doch schwieriger und es wurde dunkel, bevor wir unsern Standplatz erreichten. Aber Ende gut – alles Gut.

Kolkata – Drittgrösster Ballungsraum Indiens

Wir fuhren 1 h mit dem Bus in die Stadt bis zum Hugli-Fluss. Eingeklemmt zwischen Fluss und Eisenbahn liegt der Blumenmarkt. Wieviele Blumen überall immer verkauft werden und zu welchen Preisen!!! Ein z.B. gelber/oranger Kranz ca. 1.5 m lang kostet hier 10 Rupien = 12 Rp. Für die vielen Feste, (Hochzeit-)Feiern und Tempel werden täglich enorme Mengen benötigt. Unter welchen Verhältnissen die Menschen dafür arbeiten müssen?

Über den Fluss liegt eine riesige, alte Eisenbrücke, von den Engländern im 19 JH. erbaut. Damals erreichte Kalkutta – heute Kolkata – als Hauptstadt Indiens einen Höhepunkt dank Hafen und Handel. Eine Masseneinwanderung folgte und „erstickte“ die Stadt. So entschieden die Engländer 1911 die Hauptstadt nach Delhi zu verlegen. Heute leben in diesem Ballungsraum von 30 Mio. Menschen, ca. 80 % unter der Armutsgrenze. Entsprechend sieht auch die Stadt aus und viele viktorianische Bauten sind praktisch unbewohnbar.

Hervorragend gepflegt wird der Jaintempel von 1910, den ein reicher Händler errichten lies. Wunderbare Mosaik- und Marmorarbeiten unter Einfluss von verschiedenen Kulturen, wie auch Symbole von Moscheen und Hindutempel zeigen seine Offenheit im Denken, das heute wieder verloren geht.

Interessant war ein Rundgang durch ein Quartier, wo Götterfiguren gefertigt wurden. Auf Holzgestellen entstehen mit gebundenem Stroh die Figuren. Danach werden sie mit Lehm bestrichen und nach trocknen bemalt. Für das Gesicht, Hände und Füsse wird ein Modell verwendet. Auf Bestellung werden zum Schluss die richtigen Hand-/Fussstellungen aufgeklebt.
Warum so viele Figuren benötigt werden? Für jedes Fest werden die Figuren bestellt und in feierlicher Zeremonie dem Wasser übergeben. Alle natürlichen Materialien lösen sich wieder auf – als Kreislauf des Lebens.

Überraschend war die Fahrt in einem uraltem Tram. Spannend, dass es noch immer fährt, noch spannender wie es sich in diesem riesigen Verkehrsgewühl bewegt. Wenn sich der indische Tram-Chauffeur über die indischen Bus-/Autofahrer aufregt, wie die sich so blöd vordrängeln und damit den Verkehrsfluss unterbrechen! Wir konnten richtig mitfühlen und mussten lachen. Wir erleben dies doch täglich! Aber dass sich Inder darüber selber aufregen, war neu. Andere hatten uns erklärt, dass schnelles Fahren ihnen Freude bereitet. Wir verstehen leider immer noch nicht, ob dieses Vordrängeln ob rechts oder links wirklich schneller ist. Zum Beispiel vor einer Bahnschranke stehen am Schluss über die ganze Strassenbreite cm-breit voneinander Fahrzeuge. Öffnet die Schranke blockieren sich von beiden Seiten alle Fahrzeuge minutenlang, bis es irgendwie doch wieder zum Fliessen kommt. Auch die vielen Polizisten können dagegen gar nichts tun – Incredible India!

Zum Schluss besuchten wir das Museum und Mutterhaus der Schwestern der Barmherzigkeit von Mutter Theresa, einer indischen Ordensschwester und Missionarin, welche heilig gesprochen wurde und den Friedensnobelpreis erhielt.

Gerne noch besondere Eindrücke und Erlebnisse.

Richtung Bhutan

In drei Tagen fuhren wir von Kolkata bis zur Grenze von Bhutan. Es sind teilweise schwierige Strassenverhältnisse. Das Schlimmste sind die vielen Strassen-Baustellen. Es gibt immer wieder Teile von Bauwerken. z.B. Brücken, welche zum Teil schon wieder grau und am Verfallen sind. Darum herum führen Servicestrassen, welche meist schmal und oft ungeteert sind. Der Hauptgrund sei die indische Politik. Wenn neue Personen gewählt werden, ändern auch die Freundschaften zu Landesteilen und Baufirmen. So fehlt für eine Baustelle das Geld, welches für eine neue Baustelle verwendet wird. Darunter leiden alle unterwegs, wie auch die lokale Bevölkerung.

Warum wir unterwegs so viele Lastwagen geparkt erlebten, konnte uns niemand erklären. Teilweise werden sie auch kontrolliert oder aufgehalten um einen Verkehrsfluss zu gewährleisten. Gut, wenn man nicht in die falsche Spur gerät.

Die Tuchfühlung zu andern Fahrzeugen war in Dörfern, bei engen Strassen immer sehr eng. Im Stau fanden die Inder links über einen Strassenrand oder rechts auf der Gegenfahrbahn einen Weg zum Überholen und klemmen sich vorne ohne Skrupel wieder rein. Als Sport oder Hobby??? Erstaunlich, dass nicht mehr passiert.

Senf- und Reisfelder wechseln weiter oben den Teeplantagen. Es wird grüner, mehr Flüsse und bessere Luft. An der Grenze zu Bhutan sind wir erst auf 220 m. ü. M.

Paro, Bhutan

Der Grenzübertritt gestaltet sich indisch-chaotisch. Doch kaum sind wir durch das Tor nach Bhutan gefahren, sieht die Welt ganz anders aus. Es wird sauber, gepflegt, freundlich und gut organisiert.

Von 220 m fahren wir über zwei Pässe nach Paro auf 2200 m ü. M. mit dem einzigen Flughafen in Bhutan. Jetzt wird auch die Luft, das Wasser sauber und klar, die Strassen sind super und nirgendwo gibt es Abfall. Welche Herrlichkeit – wir sind im Land der glücklichsten Menschen angekommen!

Die schlängelnde Fahrt durch die Berge zieht sich hin. Aber wir geniessen es. Auch hier wird gebaut, aber die Baustellen können gut befahren werden

Die Sonne zeigte sich nicht von der besten Seite und es wurde kühl. Da der Grenzübertritt zu lange dauerte, kommen wir erst Nachts an. Dass ein Fahrzeug aufsetzte und die Auffahrt blockierte kam hinzu. Doch ein gutes Nachtessen entschädigte die Umstände.

Tigernest

Kaum auf 2’200 m ü.M. angekommen, wandern wir anderntags auf über 3’100 m zum Tigernest, einem Kloster aus 12. JH. Buddha kam im 8. JH. aus Tibet hierher um zu meditieren. Später entstand ein Kloster, das mehrfach nieder brannte und erneuert im 2011 wieder eröffnet wurde.

Ja, die Wanderung hatte es in sich. Wir starteten auf 2’400 m und es ging über schöne Wege und Treppen auf 3’100 m zu einem schönen Kaffee. Dies war jedoch erst die Hälfte der Tour. Jetzt ging es noch steiler hinunter über eine Brücke und danach steil bis zum Kloster hinauf, insgesamt ca. 4h.

Dort war es recht windig und ohne Schuhe sieben Tempel treppauf – ab. Martin holte sich dabei eine Erkältung. Aber es hatte sich gelohnt, es war sehr eindrücklich.
Auf dem Rückweg ging es wieder steil hoch – zum Glück erhielt ich eine Stärkung. Gaby war mit Rucksack und Inhalt beim Kaffee geblieben.

Unten genossen wir ein Mittagessen im Freien, herrlich!

Paro – Timphu

Morgens besichtigten wir die Dzong-Klosterfestungsanlage, welche Nachts so schön beleuchtet wird. Über die Brücke geht es steil hinauf zur Festung. Zuerst kommt man in den Verwaltungsteil, danach steigt man hinunter zum Kloster-Tempelteil. Alles ist imposant, sauber gepflegt und sehr eindrücklich.

Mittags fuhren wir los und genossen am Fluss das Mittagessen. Die Fahrt nach der Hauptstadt Timphu mit 110’000 Einwohnern war sehr kurz und schön.

Wir parkten neben Hotel auf einer Strasse bei kalten Temperaturen auf 2’400 m ü.M. und besichtigten die wichtige Stupa.

Stupa bei Sonne am andern Morgen

Die Stadtbesichtigung überraschte uns mit vielen Neubauten, Hotels und schönen Geschäften. Hier gibt es keine Ampeln, sondern der ruhige Verkehr wird durch Polizisten geregelt (Einziges Land ohne Ampeln).

Abends wurden wir vom Parlamentssprecher begrüsst. Bescheiden beantwortete er uns viele Fragen und nahm am Abendessen teil. Obwohl finanziell arm, gelten Bhutaner als glücklichste Menschen der Welt, da sie eine Balance suchen/finden zwischen Finanzen, Spirituellem und Wohlbefinden. Schulen, Spitäler sind gratis und Frauen werden stark gefördert. Haupteinkommen ist vom Wasserstrom, Touristen und Steuern von Geschäftsleuten (keine Tax für einfache Bürger/Bauern, 100 kWh/Mt gratis etc.).
Von Touristen werden aktuell sehr hohe Tagesgebühren verlangt. Ziel sind weniger Gäste, die das Land überschwemmen und sich nicht angemessen verhalten (Indien). Corona hat jedoch grosse Spuren hinterlassen und die meisten Hotels sind fast leer.
Herzlichen Dank für den Empfang und diese Gastfreundschaft.

Timphu -Punakha

Heute Morgen fuhren wir auf den Berg zu einer der grössten Buddhastatuen. Eine Person aus Singapur spendete 48 Mio. $, die Chinesen bauten es und 2005 wurde der riesige Tempel vom König eröffnet. Der goldene Buddha von 51.5 m Höhe thront auf dem Tempel. Die Diamanten auf der Stirn solle allein schon eine Million $ wert sein.
Innen, immer ohne Schuhe, darf man nie Fotos machen, doch diese Dimensionen! Um Wertschätzung zu erhalten wurden 125’000 kleine und 25’000 mittlere „goldene“ Buddhas gesegnet und in Wandnischen gestellt. Der untere Stock für die Hölle und der dritte Stock für den Himmel sind noch im Bau.

Herrlich war auch der Blick auf die Stadt und die Berge bei schönem Sonnenschein.

Danach fuhren wir von 2’200 über viele Kurven hinauf auf den Pass von über 3’100 m ü.M. Herrlich diese Aussicht in die Berge bis fast 8’000 m nur leicht mit Schnee bedeckt. Wir nutzen es als Rast für Besichtigung und ein kleines Mittagessen.

Anschliessend folgte eine kurvenreiche Abfahrt bis auf 1’200 m. Nachts gab es in Timphu Frost, hier unten wurden es bereits wieder warme 18 °C und subtropische Früchte. Hier ist die grösste Klosterfestung aus dem 16. JH. Der 5. König wurde hier vereidigt und heiratete im 2012 auch hier. Eine riesige farbige Festung mit schönem Tempel. Für die Bhutaner ist das Gleichgewicht zwischen Verwaltung und Sinnhaftigkeit (Tempel) sehr wichtig. Dank sehr guten Guides lernen wir hier sehr viel. Wir hatten auch das Glück im Tempel bei einer täglichen Zeremonie der Mönche dabei zu sein.

Innenhof für Verwaltung

Ein Spaziergang an den Fluss über eine Hängebrücke rundete diesen intensiven Tag ab.

Wanderung in Punakha

Heute waren wir wieder unterwegs zu einem Tempel, den die Mutter des heutigen 5. Königs für ihn errichten lies. Diesmal ging es gut eineinhalb Stunden hinauf und im Tempel über 4 Etagen. Zuoberst hatte man eine super Aussicht und durfte auch fotografieren.

herrlicher Blick in Täler mit Reisfeldern – Chili im Winter- bis Schneeberge oben rechts.

Danach ging es wieder hinunter, auf Reisfeldern weiter zu einem Bauernhaus. In den Terrassenfeldern wird im Sommer Reis angepflanzt, im Winter Chili. Unter Folien werden Sämlinge gezogen und später in Reisfelder ausgesetzt. Chili ist finanziell viel einträglicher.
Beim Bauernhaus konnten wir bei herrlichen Temperaturen draussen essen, einige spielten danach Darth, ein herrlicher intensiver Tag.

200 km schönste Passfahrten

Wir fuhren bei Tagesanbruch los. Gut 6 h Fahrzeit waren geplant über mehrere Pässe, zwei davon auf 3’400 m ü.M. Die Strassen waren sehr gut, aber so viele Kurven – wer hat dies schon einmal bei schönstem Wetter erlebt?

Herrlicher Blick in die Berge
bis gegen 8000 m

Wir übernachteten in Bumthang auf 2’700 m ü.M. mitten in den Bergen. Hier halten viele Busse, Lastwagen auf ihren langen Passfahrten. Interessant war, dass hier auch nach Schweizer Art Käse produziert wird. Wir konnten wieder einmal guten Käse essen/kaufen.