Auf nach Samarkand

Nach den Taxifahrten zur Iranischen Botschaft (eine halbe Stunde durch die Stadt für 2 CHF) fuhren wir selber aus dieser riesigen Stadt. Das Fahren war recht abenteuerlich. Zu teilweise löcherigen Strassen kamen superschnelle Fahrer, welche links oder rechts herum überholten und sich vorne wieder einquetschten.

Es war Freitag und die vielen neuen Moscheen an der Strasse quellten über mit vielen Fahrzeugen und Betenden. Die Landschaft wurde flach und teilweise heideartig.

Nach 270 km unterbrachen wir in Jizzax und übernachteten in einem Park, da die wenigen Hotels ausgebucht waren. Es ist nicht mehr so warm, aber die Sonne scheint stark, sodass wir uns unter den Baum setzten. Abends war in der Nähe in einem Vergnügungspark eine riesige Party und so wurde es eher eine unruhige Nacht.

Anderntags fuhren wir die restlichen 100 km bis Samarkand. Aktuell gibt es immer noch sehr viele Melonen, Trauben und Äpfel, welche an Dutzenden von Marktständen verkauft werden.

Hier fanden wir im „Sultan Palast“, einem kleinen, neuen Hotel überraschenden Komfort bis zu goldenem Boden (?!). Hier blieben wir drei Tage und besichtigten die vielen Sehenswürdigkeiten.

Iran Einreisevisum

Der zweite Antrag vom Reisebüro wurde innerhalb zwei Tagen bewillig, super (für das grosse Russland hätte es zwei Wochen gedauert). Da normal Freitag bis Sonntag die Botschaft geschlossen ist, fuhren wir am Donnerstag Morgen sofort zurück nach Taschkent und siehe da, es ist anders, Iran hat einen grossen Feiertag. Dafür wird am Freitag geöffnet.

Nachts und Morgens regnete es. Wir waren froh, wurde doch damit die staubige Luft ausgewaschen.

Taschkent hatte viele Besucher und Messen und so fanden wir erst beim dritten Anlauf ein Hotel etwas ausserhalb. Es hatte einen Vorteil, gute Restaurants und ein schöner Grossistenbasar in der Nähe. So genossen wir diese Atmosphäre. Wir staunten, wieviele Blumen für den Freitag zusammengestellt wurden. Herrlich!

Anderntags klappte es mit dem Iran-Visa problemlos. Nach 8 Indern, welche mit zwei Fahrzeugen von Kalkutta nach London fahren wollen, kamen wir dran.

an den Charvak – Stausee

Taschkent ist recht grün und gepflegt. Aber Grossstädte haben nicht unsere Priorität und so fuhren wir hinaus in das örtliche Erholungsgebiet an einen grossen Stausee. Eine andere Variante wäre in die nahen Berge gewesen, einem Skiort (ohne aktuell Schnee) mit Schweizer Unterstützung gebaut.

Zuerst suchten wir russischen Diesel, der Usbekische wird nicht empfohlen. Bei der ersten Tankstelle war der Diesel aufgebraucht und erst in der folgenden Nacht sollte Nachschub folgen. Die zweite Tankstelle war 30 Minuten quer durch die Stadt bei viel Verkehr! Also los, da auf unserem 70 km Weg an den See es keine weitere Diesel-Tankstelle gab.
Hier fährt alles mit ihrem eigen geförderten Methangas. Die wenigen grossen Autos aus Europa finden auch nicht viele Benzintankstellen. Stromtankstellen gibt es eher mehr.

Beim Mittagessen trafen wir Ilge und Paola, welche 13 Jahre mit Fahrrad und danach 10 Jahre mit ihrem Camper unterwegs sind. Sie wollten über Pakistan nach Indien. Leider war die Grenze zu und so entschieden sie umzukehren sie um und beantragen das Russlandvisum, retour über Kasachstan, Georgien, Armenien. Viel Glück!

Touristeninfos fanden wir hier nicht und einfach Fragen ist nicht so einfach. Sie sprechen eher russisch als englisch. Camping kennen sie nicht und wir müssen uns registrieren lassen. Somit war die Suche nicht einfach, werden doch alle Häuser/Hotels hinter Mauern geschützt und ab der Hauptstrasse gab es meist nur (steile) Naturstrassen. Nicht aufgeben, weiterfahren und plötzlich landeten wir in einer ganz neuen, teuren Chaletsiedlung. Ja, etwas Erholung benötigen wir.

Taschkent

Taschkent ist die Hauptstadt von Usbekistan und mit 6 Mio. Einwohnern recht gross, modern und geschäftig. Neben Besichtigungen wollten wir hier das Visa für den Iran beantragen. Die elektronische Einreichung von uns wurde leider abgelehnt. Es muss durch ein Iranische Reisebüro erstellt werden.

Von Kokand fuhren wir los durch das fruchtbare Tal. Wegen naher Grenze zu Tadschikistan ging es über die Berge in das Tal von Angren, einem Bergbauort. Hier wollten wir nicht Übernachten und fuhren direkt nach Taschkent.

Wir hatten Glück und fanden eine super Laundry, ganz neu mit professionellen Maschinen. Da kamen wir auch in Kontakt mit Shuhkrat, der für deren Technik verantwortlich ist. Sie waren 15 Tage in Europa und studierten Waschsalons, auch in Davos.
Vis a vis war das Zentralasia Pilaf Center, wo wir unser Nachtessen einnahmen. Sooooo viele Leute wurden hier verpflegt und in den riesigen Pfannen wurde der Reis mit Zutaten gekocht, einmalig. Vielen Dank.

Anderntags ging es auf die Botschaft, den riesigen Basar und zur Oper, welche jedoch nicht besichtigt werden konnte. Das berühmte Ballett startet erst ab Oktober wieder.

Handwerk in Kokand

Kokand liegt im Ferganatal, welches dank vielen Wasserkanälen seit langem sehr fruchtbar ist. Bereits zweitausend vor Christus lebten hier 300‘000 Menschen.
Wir übernachteten hier zwei Nächte in einem schönen Hotel mit grünen Park. So konnten wir in Ruhe die Stadt, die Joma Moschee und den Palast des letzten Khans zu beginn des 19. JH. besichtigen.

Eindrücklich waren die riesigen, schlanken Holzsäulen (Holz aus Indien?) für die Moschee und die Räume der Koranschule.

Schön, dass hier das Handwerk noch demonstriert werden kann. Eindrücklich, wie sie Kupfer, Holz, Seide, Porzellan etc. bearbeiten und was früher alles möglich war.

Die Seide wird als Garn mit Knoten in Farben gefärbt, danach gewebt und verarbeitet.

Wir nahmen uns Zeit und kamen in wunderbaren Kontakt mit der sechsten Generation des Kleidergeschäfts. Den Heiratsmantel in Brokat mit Kappe kaufte Martin jedoch nicht.

Weiter ging es zum grossen Palast, wo der Kahn allein für den Harem 99 Räume bauen liess. Vieles wurde geplündert und einiges neu restauriert in herrlichen Farben. Beindruckend die vielen Deckenmalereien in den verschiedenen Räumen.

früherige Seidenproduktion

Wir wollten eine alte Seidenfabrik besichtigen. Dazu gab es im Internet viele sehr unterschiedliche Kommentare. Was wir erlebten, war super. Morgens recht früh war es noch kühl und ruhig. Ohne Führung konnten wir unseren Rundgang selber gestalten. Die Frauen waren sehr freundlich und schätzten, dass wir uns wirklich interessierten.

Herrlich, die Produktion vom Cocon zum Garn und den verschiedenen Stoffen anhand so einfachen uralten Geräten erleben zu dürfen.

Anschliessend schlenderten wir durch die Strassen und Märkte und genossen frische Trauben und noch warmes Brot – richtig fein.

Weiter folgten wir der Seidenstrasse bis Kokand, einem alten Verkehrsknotenpunkt der Seidenstrasse. Dabei. begleiteten uns viele Reben als Sonnenschutz für Fussgänger, Baumwollfelder, etc.

Unerfreulischer Empfang

Mit einem weinenden Auge verliessen wir Kirgisistan. nach 3‘600 km (inkl. Kasachstan). Uns hatte die Natur mit den unzähligen Schneebergen, dem freundlichen Menschen, den vielen Tieren, vorallem die freilaufenden Pferde, sehr gut gefallen. Es gab keine Vorschriften und wir konnten auch in der freien Natur übernachten. Vielen, vielen Dank!

In nur wenigen Kilometern fuhren wir an die Grenze und die Ausreise aus Kirgisistan war einfach. Aber auf der Usbekischen Seite wurde es schwierig. Pro Stunde wurden 4-6 Fahrzeuge mit über 20 Beamten nach Vorschrift abgefertigt. Unser Eintritt dauerte drei Stunden, mit viel Administration und unangenehmen Durchsuchungen. Schade, wir wollten schon fast wieder umkehren.

Wir erwarteten ein reicheres Land. Ja, es gab schönere Autos, viele Waschanlagen und das Fergana Tal ist richtig fruchtbar grün. Die Strassen waren jedoch nicht viel besser und die Fahrweise wieder echt anstrengend. Weisse Chevrolets dominieren. Wie wir später erfuhren, werden diese im Land produziert und sind somit ein ungeliebtes Muss.

Wir fuhren 180 km bis nach Farg‘ona, der Bezirkshauptstadt. In diesem Land kann man frei reisen, aber man muss sich jeweils in Hotels registrieren lassen. Das Hotel wollte uns kein Zimmer anbieten, da die Stadt für vier Tage ohne Gasversorgung war (Reparatur) und es somit kein Warmwasser gab. So übernachteten wir im Fahrzeug auf dem Hotel-Parkplatz in schöner Gartenanlage. Leider blieb es bis spät sehr unruhig wegen doch vieler Gäste auch aus Europa (Bustouren).

1000 km zurück nach Osch

In drei Tagen fuhren wir über die Berge zurück nach Osch.

im Hochtal mit 2‘300 m

Der Schnee war schon recht geschmolzen und zum Start war noch alles klar.

Der erste Tag war anspruchsvoll über die zwei Pässe von über dreitausend Metern. Da Regen für den andern Tag angesagt wurde, huschten wir durch, wollten wir doch nicht im Schnee stecken bleiben.

Morgens kontrollierten wir wieder einmal das Kühlmittel und füllten etwas nach. Die steilen Serpentinen kamen wir recht gut hoch, machten einen Aussichtsstop und kamen danach in einen Stau vor dem langen, engen, dunklen Tunnel. Plötzlich begann uns Fahrzeug an zu rauchen – oh Schreck. Die Kontrolle ergab das Kühlmittel war im Überdruck weg – zu wenig gut verschlossen???

Uns fehlte eine grosse Menge, wobei uns der Nachbarlastwagen freundlich mit seinem Rest aushalf (Neoperl, viele Altfahrzeuge aus Europa). Nicht voll aber hoffentlich genügend machten wir uns in den Tunnel, der inzwischen wieder freigegeben wurde. Wir kamen recht gut durch, da im Moment die Lastwagen noch gesperrt waren und nur ein Fahrzeug im Tunnel stecken blieb.
Auf der andern Seite kontrollierten wir nochmals, unternahmen aber nichts weiter und fuhren hinunter in ein langes Hochtal, wo es eine grosse Tankstelle mit Kühlmittel gab. Hurra – alles wieder gut!

Da es Dunkel wurde, parkten wir am Fluss und konnten ruhig schlafen (oben). Auch der zweite Tag war eine lange, abwechslungsreiche Fahrt, an dem grossen Bergsee entlang, wo wir bereits einmal übernachteten. Nach weiterem Pass kamen wir in das Naryn-Tal, wo der Fluss zur Stromproduktion in mehreren Etappen zu langen Bergseen gestaut wird.

Wir wollten nicht bereits nach Osch und übernachteten 100 km vorher neben einem Bach und Maisfeld. Daneben weideten bis zur Dunkelheit verschiedene kleine Herden von Schafen und Kühen. Die Burschen, teilweise mit Pferden, hüteten und wir kamen in Kontakt. Auf das Angebot auf ihrem Pferd ohne Sattel zu reiten, ging Martin nicht ein.

Am dritten Tag waren es nur noch 100 km und so genossen wir den riesigen (Kleider-)Basar bei Uzgen, einem wichtigen Ort an der alten Seidenstrasse mit Minarett, Mausoleum und Museum aus dem 11. JH.
Danach kamen wir nach Osch ins schöne Hotel und genossen das offene Bad.

Sonntags auf die Alp!

Wir genossen die schönen Tage am Issykölsee. Morgens nochmals ins Thermalbad mit den vier unterschiedlich warmen Becken, danach ging es mutig in die Berge.

Die über 30 km Baustellenfahrt retour war sehr anstrengend. Aber auch am Sonntag wird hier gearbeitet und wir erkennen viele Inder. Ist darum die Strasse so chaotisch?

Vor dem Abzweiger erkundigten wir uns nochmals. Die Aussage, die Strasse sei gut, versuchen wir zu interpretieren. Ob die Rundfahrt wirklich möglich wird, wird nicht klar. Dass unterwegs auch normale PW‘s hochfuhren, machte uns zuversichtlicher und so kurvten wir dem Fluss entlang das Tal hinauf.

Auf einer Hochebene (A) von über 2‘000 m machten wir Mittagsrast und genossen diese Alp mit Schafen, Kühen, Pferden und unseren eigenen Spaghetti mit frischen Tomaten in dieser Ruhe.

Weiter ging es dem Tal entlang und nach einer Karte weiter hinauf bis auf 2‘400 m (andere Karten kannten diesen Weg nicht). Die Naturstrasse sah von Ferne nicht allzu einladend aus, später folgte ein Verbotsschild. Martin liess nicht locker und erkundigte sich bei einem entgegenkommenden Ladafahrer, ob die Strasse gut wäre – Kopfnicken!

So musste Gaby und unser Fahrzeug bei der Hochfahrt etwas leiden, aber zuoberst war ein Junge mit seinem grossen Adler. Viel haben die hier nicht zum Leben, also aussteigen und mitmachen. Was für ein riesiges, edles Tier!!!

Die Rückfahrt wurde möglich, war allerdings viel länger und steiler als vermutet. Dafür wurden wir mit schöner Natur belohnt.

Unten an der grossen Strasse suchten wir einen neuen Übernachtungsplatz. Die Zugänglichkeit zum See ist jedoch sehr beschränkt und wenn dann in Ressorts, welche meist schon geschlossen haben. Somit übernachteten wir nochmals am schönen Platz vom Vortag und genossen einen schönen Spaziergang am See und im Park.

wie weiter?

Wir geniessen die Freiheit, unsere Reise selber zu gestalten und je nach Situation entscheiden zu können. Selbstverständlich braucht es auch entsprechende Vorbereitungen.
Unser nächstes grösseres Ziel ist Taschkent in Usbekistan. Wir haben drei Varianten evaluiert, wie wir dort hin kommen könnten:
1. Zurück nach Bishek über die Grenze nach Kasachstan und über eine relativ flache Route bis Taschkent (grün).
2. Die gleiche schöne Bergroute retour nach Osch und dort über die Grenze (blau).
3. Die zukünftige direkte Route nach Osch über eine neue Strasse mit grossem Tunnel (gelb).

Uns wurde erzählt, dass der Tunnel Ende des Monats eröffnet würde und viele bereits durchfahren. Aber wer gibt die Erlaubnis? Auf welcher Karte findet man die Route?
In der letzten grösseren Stadt Balyktschy am See finden wir einen Polizeiposten mit super freundlichem Mann. Er telefoniert mit verschiedenen Kollegen und rät uns letztlich von Variante 3 ab, da zu risikobehaftet. Die Strasse wäre fertig, aber im Tunnel wäre eine Decke eingebrochen. Als Kirgise empfiehlt er uns die schöne Bergstrecke Variante 2.

Selbstverständlich kommt es immer auch auf das Wetter an, wollen wir doch nicht über 3‘000 m im Schnee stecken bleiben. Es sollte besser werden und so entschieden wir uns auf die Tipps vom Polizisten einzugehen und auf der andern Seite vom See weiter zu fahren. Hier ist es viel touristischer und es gibt viele Ressorts, viele im Bau oder als Ruinen. Hier irgendwo übernachten? Die Saison ist vorbei und vieles bereits geschlossen. Neugierig wie wir sind, finden wir eine Hotelmanagerin, welche uns stolz Ihr Ressort zeigt. Es ist privat für ihre Eigentümer aus Russland, Kasachstan, Usbekistan und Kirgisistan, vor allem auch für Familien..

Ganz in der Nähe finden wir einen ruhigen Platz mit Zugang zu schönem Strand.

So fahren wir anderntags weiter dem Nordufer vom See entlang bis zu einem kleinen entlegenen Ort in ein kleines herziges Thermalbad und können richtig entspannen. Spannend die Einheimischen zu beobachten, auch die festliche Zubereitung eines geschlachteten Schafes.

Oft waren wir enttäuscht über den vielen Abfall, der einfach rausgeworfen wird. Heute aber war ein wichtiger Tag, in vielen Dörfern waren Dutzende örtliche Bewohner unterwegs und sammelten den Abfall ein – Gratulation!!!

Auch wenn hier noch viele einfach leben, die Leute wirken zufrieden.