Jaipur – Lichterfest

Jaipur wurde erst im 17. JH. vom damaligen Maharaja gegründet, da Amber zu klein wurde. Im Jahr 1876 wurde für den fürstlichen Besuch des englischen Prince of Wales Albert Edward die Stadt pink angestrichen und gilt seitdem als Pink City.

Heute hat es auch hier über drei Mio. Einwohner und die Fahrten in die Stadt dauern locker eine gute Stunde. Die damalig gute Stadtplanung auf einer Hochebene, umrahmt von Bergen, genügt für so viele Fahrzeuge nicht mehr. Was man dabei alles sehen und erleben kann ist schwierig zu beschreiben. Folgendes Video haben wir aus einem Taxi gemacht, wobei wir diese Strecke vorher auch im Wohnmobil zurückgelegt haben.

1 Min. Video-Ausschnitt aus Fahrt mit Taxi

In der Stadt besuchten wir den berühmten roten Hawa Palast, bei dem die Haremsdamen durch kleine Luken das Leben auf der Strasse beobachten konnten.

Palastansicht auf Strasse mit Luken für die Damen
Innenansicht vom Hawa Palast

Der City Palast war Sitz des Königs und wird teilweise heute noch vom Maharaja bewohnt.

Empfangshalle für. normale Gäste – rechts Königspalast

Weiter zum Besuch der weltweit grössten (genauesten) Sonnenuhr und Basar.

Sonnenuhr

Auf den Hügeln der Stadt hat es diverse Burgen/Festungen aus damaliger Zeit. Über einem See thront ein riesiger weisser Marmorpalast. Interessanterweise konnten wir ihn spät Abends besuchen. Schön beleuchtete Gebäude und wenige Besucher boten spektakuläre Bilder. Auch der Spiegelsaal für spezielle Gäste wirkte Abends viel attraktiver.

Empfangs-Pavillon für spezielle Gäste aus weissem Marmor
Empfangs-Pavillon im Harem
Festung mit Palast auf dem Hügel

Auf der Rückfahrt konnten wir durch die Stadt fahren und erlebten direkt die bunte Beleuchtung für das Lichterfest. Dieses wichtigste Fest des Jahres dauert in ganz Indien fünf Tage und vieles wird dafür investiert.
Unsere Weihnachtsbeleuchtung ist nicht so bunt und die Trommeln fehlen.

Waterpalast von 1799
Albert Hall Museum von 1876
kurzes Video von abendlicher Fahrt durch beleuchtete Altstadt

situativ anpassen

Eine solche Reise verlangt laufend eine hohe Anpassungsfähigkeit:
– beim Fahren gibt es täglich immer wieder neue Situationen
– beim Essen, Einkaufen gibt es nicht immer das Gewünschte
– beim Schlafen wird es hier in Indien nie ruhig
– Kultur und Menschen sind ganz verschieden – lächeln hilft
– Kreditkarten und Geldbezug funktionieren eher selten – probieren
– fast alle haben Mobilphone, trotzdem ist Internet teilweise schwach

Die Eindrücke sind so vielfältig, manchmal kann man lachen, manche Situationen kann man schwierig verarbeiten. Aktuell übernachten wir um ein abgetrenntes Gästehaus direkt neben einer Nomaden-Zeltstadt.

Wir sind stets gefordert, einerseits wohin geht die Fahrt, wo Parken, Einkaufen, andrerseits alle Eindrücke aufzunehmen und zu verarbeiten. Dazu kommen Einkauf/Verpflegung, Unterhalt Fahrzeug (Diesel, Reinigung, Wasserver-/entsorgung, Gas, Strom), Wäsche, Kleider etc.

Ältester Treppenbrunnen mit über 3000 Treppen

Auch ist man gegen Unbill nicht gefeit. Von Corona wurden einige aus der Reisegruppe nach Istanbul (auch wir – nicht schlimm) und jetzt andere nach Delhi betroffen. Viele Fahrzeuge hatten ihre „Problemchen“, wir einen Steinschlag in der Frontscheibe und eine Heckleuchte beschädigt, andere defekte Pneus oder Seitenspiegel, Schramme auf Seite, Wechsel Bremsscheiben, Oelwechsel, neue Solarpanels, Batterien bis Dachschäden und Klimagerät weggerissen. Trotzdem bleiben wir munter unterwegs und wirklich Schlimmes ist bisher nicht passiert, auch kein Diebstahl oder Bedrohung.

An die vielen Begegnungen, die einfachen Verhältnisse gewöhnt man sich, hupen haben wir auch gelernt und rasch lernt man aus jeder Situation das Beste zu machen.

Vogelparadies

Unweit unseres Stellplatzes gibt es den Keoladeo-Nationalpark als Vogelparadies. Früher nutzte man dieses Gelände als Jagdgebiet – letzter Leopard 1963. Später wurde es überflutet und zum Vogelschutzgebiet erklärt. Im Mai-Juni ist es ganz trocken, ab August folgt der Monsun. So können Störche etc. hier Pause machen oder überwintern.

Um 7 Uhr fahren wir mit den Tuk-Tuks los, im Park sind wir mit Fahrrad oder -Rikschas unterwegs. Es ist herrlich ruhig, grün und frisch, richtig erholsam.

immer bewusster sieht man verschiedene Vögel

Die Störche ziehen Junge auf.

Taj Mahal – bei Sonnenaufgang

Ja das „weltweit schönste“ Mausoleum Taj Mahal in Agra bei Sonnenaufgang bei bester Gesundheit zu besuchen ist schon ein Glück. Im 17. JH. hat der Mogul für seine Geliebte in 22 Jahren diesen weissen, berühmten und viel besuchten Marmorbau für Ihre „Ewigkeit“ errichtet. Auf der andern Seite des Flusses plante er für sich einen schwarze Marmorbau. Sein Leben nahm einen andern Lauf, da sein Sohn dies unnötig fand und seinen „verwirrten“ Vater im Fort Agra in einem weissen Marmorpalast einsperrte.

Wir mussten um 04.30 im Bus bei Dunkelheit los und konnten ab 6 Uhr den bereits gut besuchten Ort besichtigen. Aktuell sind es sehr viele Inder und wenige Ausländer.

Nach Frühstück folgt der Besuch im Fort Agra

Uns stellen sich schon Fragen: Wie schön vor 400 Jahren gebaut werden konnte und wie knapp es heute Unterhalten werden kann (keine Fontänen, Blumen, keine farbigen Wände mehr, etc.)? Mit Hammer, Meissel und einfachsten Gerüsten/Geräten wird erhalten.


Anreise am Vortag

Vom Vorort in Delhi sind es 200 km bis Bharatpur. Man muss man schon wach sein, wenn man Morgens losfährt: Dieses emsige Leben, diese bunte Lebendigkeit, diese vielen Menschen, Töffs, Fahrzeuge, Tiere und diese vielen kleinen Geschäfte, diese Löcher und „Sauerei“!!! Es ist schwierig diese Eindrücke weiterzugeben, manchmal auch besser wenn ihr nicht alle Gerüche mitbekommt.
Aber es ist interessant, obwohl es fast keine Strassenregeln gibt, funktioniert es einfach und gut, nach dem Motto: Alles fliesst. Jeder Zentimeter wird genutzt und doch wird Rücksicht auf den Andern genommen. Man kann auf der linken oder rechten Seite um die Löcher herum fahren und obwohl Zeit zum Blinken fehlt, berücksichtigt dies der Überholende im Voraus. Keiner stört sich am Gegenverkehr auf einer „Einbahnstrasse“, sondern man weicht geschickt aus und vielleicht ergibt sich daraus die Chance, den Vordermann zu überholen.
Wird zu Hause nicht viel rücksichtsloser gefahren nach dem Motto: Ich habe Recht?

Für Alle hat es Platz
kurzer Video aus Fahrt durch ein Dorf

Während des Monsuns bis September hat es anscheinend viel geregnet. Hier auf 170 m ist alles sehr flach und überall steht das Wasser. Wir lernen, wie wir den Mücken entkommen.

Abends in Bharatpur

3 Nächte in Delhi

Indien ist sehr bunt, lärmig und lebendig, aber für uns sehr spannend. Dehli als Megastadt (16 Mio. Einwohner im 2011, mit Suburbs 31 Mio.) bietet alles. Riesige Vororte mit vielen Neubauten, Neu-Dehli mit Regierungsviertel, Hotels mit überraschend viel grün und die Altstadt, alt, staubig und sehr lebendig.

Am Freitag sind wir bis in den Süden von Delhi gefahren. Wir sind überrascht wieviel Grün und (braunes) Wasser es gibt. Eine Auffahrt nach der Zahlstelle hatten wir verpasst und schon waren wir wieder im Gewühl und erlebten lebendige 9 km.

Oben: Direkt am Wasser – wohnen in grosser Armut.
Unten: Per Zufall Garnfärben entdeckt.

Wegen aktuellem Autobahnbau leitete Google uns in die Irre. Trotzdem fanden wir zum neuen Stellplatz – meist irgend ein Hotel mit genügend Parkplatz auf grüner Wiese.

hier übernachten???

Gestern war ein intensiver Tag mit Besuchen der ältesten Moschee Indiens, Besuch des Basars, dem Sikhs-Tempel mit Mittagessen der vielen Hungrigen, dem Monument für Mahatma Gandhi und dem Minarett aus dem 11. JH.

Massenverpflegung im Sikhs-Tempel: In <20 Minuten wird gereinigt, abgesessen, geschöpft und gegessen – über 2000 Menschen pro Tag verpflegt. Der Sikhs-Glaube ist interessant, keine Hungrigen, keine Bettler, Arbeit und Reichtum als Tugend.

Wir dürfen auch die Küche im laufenden Betrieb besichtigen

Weiter durch den Verkehr zur Gedenkstätte von Mahatma Gandhi, zur Regierung …

und zum Minarett, 65m hoch, einem alten Hindu-Tempel, der von Moslems im 11 JH. umgebaut und durch 2 riesige Minarette (eines nie vollendet) ergänzt wurde.

d

Chandigarh

Von Amritsar nach Chandigarh waren es komfortable 230 km. Es gab meist getrennte zweispurige Autostrassen. Diese führen quer durch viele Dörfer und somit kann man mit allem rechnen: Fussgänger und Autos quer durch, viele Töffs, Tuk-Tuks auch im Gegenverkehr, sowie Kühe am grasen. Wenn dann auch noch Teilstücke im Bau sind, kann es auch zu Staus kommen. Aber dieses Fahren gefällt Martin – es ist sehr situativ und kreativ.

unterwegs mit Baustelle von neuer Strasse
Video über Armut an Baustelle
Video auf Fahrt durch Dorf

Uns ist das LPG-Gas ausgegangen und damit fällt die Kühlschrankkühlung (wenn kein Anschluss an 220 V Steckdose möglich ist) und der Gasherd aus. Ein Umweg in die 1 Mio. Stadt löste dieses Problem und erste Eindrücke aus der von Le Corbusier geplanten grünen Stadt mit vielen Bäumen aus den 1960-er Jahren wurden möglich.

Einen Sari zu kaufen und nach Mass zu schneidern braucht seine Zeit. Bei Gelegenheit haben wir uns gestern umgeschaut, probiert, diskutiert, Tee getrunken und plötzlich wurde ein super Service daraus. Abends um 22.30 wurden zwei neu geschneiderte Sari’s für Gaby überbracht.

Mit dem Bus ging es am andern Tag in diese flächenmässig riesige Stadt. Le Corbusier hatte den quadratischen Grundriss entworfen und wichtige Gebäude und Monumente stammen auch von ihm. Interessant ist die offene Hand – tragen von Waffen ist nicht möglich – welche stilisiert zum Vogel wird.

Gerichtsgebäude – Obergericht, Eingang, 8 Gerichtsräume, darüber Admin. (von links nach rechts)
Vorne kühle Oase, hinten Parlamentsgebäude
Links Regierungsgebäude, alle von Le Corbusier entworfen

Anschliessend besuchten wir den Rockgarden. Aus defekten Baustoffen wurden kunstvolle Skulpturen und Landschaften kreiert. Es war viel umfangreicher und der Rundgang wurde zum sportlichen Marsch.

viele Figuren aus Scherben
ebenso interessant, echte Schüler auf ihrem Ausflug

Auf Tuchfühlung

Wir verlassen Lahore früh und fahren Richtung Grenze nach Indien.

In Pakistan sind wir 3140 km gefahren, zuerst in anstrengendem Konvoi, später hinauf in herrliche Berglandschaft, dann wieder in flache, recht fruchtbare Täler. Dieses Land bleibt für uns fremd – wie auf einem anderen Planet oder vielleicht wie vor mehr als 50 Jahren. Ausserhalb Islamabad fanden wir sehr ärmliche Verhältnisse vor. Die Freundlichkeit der Menschen, die behördliche Willkür, die Armut und der „Dreck“ bleiben mit vielen Eindrücken in Erinnerung.

Die Ausreise benötigt auch diesmal länger als die Einreise nach Indien. Warum diese „Machtspiele“? Ein Beamter ist der Chef und will alles selber regeln und in die Bücher, in das Carnet de Passage eintragen/stempeln, etc.. Unsere Namen werden an diesem Tag sicher 10 mal an verschiedenen Stationen in grosse Bücher eingetragen.

Der Übertritt nach Indien findet an einem grünen Eisengittertor statt. Sehr formal übergibt der Pakistanische Soldat am weissen Strich dem Indischen Soldat unsere Pässe.
Im Moment ist dies der einzige Grenzübergang und wird wenig genutzt. Trotzdem werden Abend für Abend auf beiden Seiten Paraden abgehalten – wer ist der Bessere, wer hat die schönere Parade, die grössere Fahne auf dem höheren Masten – und dann feierlich das Tor geschlossen.

Vor dem Eindunkeln erreichen wir das Bhandari-Guesthaus, ein in englischem Kolonialstil erbautes Haus mit grossem Garten für unsere 18 Fahrzeuge. Wir können ruhig „im Paradies“ bei angenehmen Temperaturen schlafen.
So ruhig wie auf dem Bild war die Fahrt dann doch nicht, überholen rechts/links, trotz getrennter Fahrbahn entgegenkommende Töffs, Fahrzeuge aller Art und viele Tiere.

Anderntags fahren wir mit den Tuk-Tuks in die Stadt Amritsar in den Golden Tempel. Für die Sikhs ist es ihr wichtigster Ort. Heute ist zudem Feiertag und somit sind sehr viele Menschen anwesend. Ständige Tuchfühlung und viele Kontakte werden unvermeidlich. Soviel Leben, Farben, Eindrücke auf einmal!!!

Trotzdem nach gemeinsamen Besuch gehen wir weiter zum Essen, in den Basar, lassen zwei Punjab-Sari schneidern, können Geld beziehen und Früchte einkaufen. Toll solche intensive Momente erleben zu dürfen!

Islamabad – Lahore

Über die Nacht hat es geregnet und oben geschneit – es gibt herrliche weisse Berge jetzt auch in tieferen Lagen. Wir verlassen früh unser Nachtlager auf 2’500 m und fahren los. Von überall fliesst Wasser über die Strasse und die Löcher wurden gefüllt von Schlamm und Wasser. Wenn man für 122 km 5 h (mit Pausen 6.5h) braucht, kann man sich in etwa vorstellen, was dies heisst. So viele Kurven, teilweise über Natur-(schlamm) -Strassen, über einen im Bau befindlichen Staudamm, ja es gab viel Abwechslung.
Die nächsten 170 km über die Autobahn kam uns vor, wie fahren über Samt.

Wir verlassen um 7.30 den „Ferienort“ Naran
langsam kommen wir aus dem Bergtal
unsere Strasse in der Mitte, danach rechts

Erholung beim Essen auf Terrasse über dem Shoppingcenter in Islamabad

390 km Autobahn am nächsten Tag kommen uns „easy“ vor. Von 500 m über eine Bergkuppe von 800 m hinunter ins flache Tal von gut 200 m ü.M.
Mit Zwischenstopps für Kaffee und Mittagessen kommen wir früh in Lahore an. Gaby kann in Ruhe waschen.

In Lahore besuchen wir die Mosche aus dem 16 JH. und die Altstadt. Ein Mogul hatte diese riesige Mosche, ein Fort und seinen Palast errichten lassen. Spezielles wollte er seiner Königin mit dem Spiegelsaal bieten. Leider verstarb sie mit 39 Jahren noch vor der Eröffnung.

Palast mit Spiegelsaal.

Riesiges Fort, auch von Engländern genutzt

Die Altstadt wurde für das Fest geschmückt, wirkt bei geschlossenen Läden aber sehr einfach und staubig. Uns faszinieren die Trommler, Töffahrer und die einfache Stromversorgung.
Abends gibt es noch ein feines pakistanisches Nachtessen.

Musikanten zum Festtag

Über Babusar Pass mit 4’170 m

Anstatt wieder das lange Tal retour können wir dank gutem Wetter über den Pass Babusar fahren.
Von 1’200 m starten wir um acht Uhr bei bereits 24 °C und fahren bis auf 4’170 m mit 4 °C und starkem Wind.
Unterwegs finden wir viele Menschen die lange Wege auf sich nehmen für ein Treffen (Beerdigung oder?). Wie Ziegen kraxeln sie steile Hügel empor.

Die Strassen sind erstaunlich gut, wenn es dazwischen auch ganz kritische Stellen gibt. Martin geniesst dieses Fahren, meist ohne Verkehr mit sehr viel Abwechslung. So viele Kehren und diese Höhen – bis Jungfraujoch – gibt es bei uns nicht. Das Fahrzeug hat weniger Probleme als wir; uns fällt das Atmen und Wandern bei starkem Wind und Kälte schon schwerer. Trotzdem geniessen wir den Blick in die Täler, finden sogar ein bisschen Schnee und trinken den eigenen Nespresso.

Einige Eindrücke vom Leben in den Bergen

Es gibt sehr viele kleine Dörfer und viele Hotels unterwegs. Wie überall wird hier auch viel gebaut. In den Sommermonaten muss hier echt viel los sein. Dass die Menschen der Hitze unten entfliehen um die Kühle der Berge geniessen zu können, ist für uns nachvollziehbar.

Das eigene Mittagessen geniessen wir an einem reissenden Bach – einfach herrlich. Unser Standplatz ist nach Naran, einer grösseren „Stadt“ an der Bergstrasse. Hier fängt es Abends an zu regnen. Gestern Nacht war auf dem Pass 3 °C. Wenn es gestern geregnet/geschneit hätte, wir wären nicht über den Pass gekommen – Glück gehabt!